Hugelkultur - In der Theorie und in der Praxis

von 14 marit  


Während eines Permakultur Workshops der "Huertos urbanos" Gruppe in der Nähe von San José, wurde in den letzten fünf Minuten ein kleiner, improvisierter Vortrag über "Hügelkulturen" (engl. hugelkultur) gehalten. Hugelkultur? Klingt deutsch, ist es auch.

Ich hatte das Wort vorher noch nicht gehört, aber eigentlich ist es ziemlich simple. Eine Hügelkultur ist „ähnlich aufgebaut wie ein Hochbeet, nur ohne eine Umrandung bzw. Einfassung, wodurch die abfallende Hügelform entsteht.

Zum theoretischen Aufbau einer Hugelkultur
(von innen nach außen):

  1. Grobes pflanzliches Material (z.B. Totholz, kräftige Stämme, Äste, Zweige)
  2. Muttererde
  3. Laub
  4. Muttererde
  5. Grobkompost
  6. Feinkompost
Zwischenräume werden mit der Muttererde, Laub, Heu, Gras und den sonstigen Gartenabfällen aufgefüllt (hier gibt es meistens immer irgendwo irgendetwas abzuschneiden). Ich verzichte bewusst auf Mengenangaben oder Größenverhältnissen, da ich das selber nicht so genau weiß. Von allem muss ziemlich viel verwendet werden, da sich Hügelbeete mit der Zeit natürlich absenken und man über einen längeren Zeitraum, vor der eigentlichen Bepflanzung, immer wieder neues frisches und altes Grünzeug aufschichten sollte.

Durch die verschiedenen Materialien entstehen im Inneren des Hügels unterschiedliche Verrottungsprozesse. Bedingt durch die starke Sonneneinstrahlung auf einem Hügelbeet (große Oberfläche) und der entstehenden Wärme im Innern des Hügels, welche durch das Verrotten der verwendeten Materialien entsteht, werden die arbeitenden Mikroorganismen, Bakterien und Pilze im Innern des Hügels zu verstärktem Arbeiten angeregt. Es entstehen verschiedene wichtige Mineralstoffe wie Nitrate, Phospate, Ammoniumsalze, Kalium- und Magnesiumverbinundungen, die wie Dünger wirken.

Durch den abfallenden Aufbau des Hügels, kann Regenwasser gut abfließen, abhängig davon wie verdichtet die Schichten bereits sind, entweder schneller oder langsamer. So entsteht keine Staunässe, welche vielen Pflanzen das Wachstum erschweren würde. Durch das Totholz in der untersten Schicht können Feuchtigkeit und Nährstoffe gespeichert und an die Umgebung abgegeben werden. Die vielen Materialien fördern die Entstehung von Humus. Dieser wiederum fördert Gärprozesse im Boden und bindet die Bodenfeuchte. So entsteht über einen gewissen Zeitraum eine tiefe Humusschicht und ein optimaler, nährstoffreicher Boden zur Bepflanzung.


Erklärung zum Aufbau

Warum ich mich entschieden habe einen kleinen Beitrag über Hügelkulturen zu schreiben, obwohl das nur die letzten paar Minuten des Workshops beinhaltete, liegt daran, dass ich einen Tag nach dem Workshop für ein paar Tage auf eine Finca in Heredia in der Nähe von San José, gefahren bin. Eine "kleine" Finca, von nur etwa 1,5 ha. Eine Seite der Finca ist bereits mit zweijährigen Kaffeepflänzchen bepflanzt, dazwischen stehen Bananenstauden und weitere größere Schattenspender. Auch Ananaspflänzchen und Kräuterpflänzchen werden mir im vorbeigehen schnell gezeigt. Alles ziemlich bunt gemischt. Auf der anderen Seite befindet sich eine Fläche, die zur Zeit "umgeackert" wird, um sie baldmöglichst zu bepflanzen und die Produkte auf der Feria Verde in San José zu verkaufen.

Als mir Carlos, der Campesino, seine dortige "Hügelkultur" erklärte, ohne selbst dieses Wort zu benutzen, musste ich sofort an den gestrigen Workshop denken. Der Aufbau seiner "Hugelkultur" ähnelt den oben aufgelisteten Materialien. Die unterste Schicht besteht aus verschieden Gehölzen und kräftigem Bambus. Darauf folgt viel abgestorbenes Gras in unterschiedlichsten Stadien (die einfachste Variante: Mehrere Tage eine Plastikplane über eine Fläche legen, wenige Tage später kann das ausgetrocknete Gras einfach weg gerecht werden und auf dem Hügelbeet verteilt werden. Gleichzeitig hat man dann auch schon eine gute Stelle um sein Beet anzulegen, ganz ohne lästiges umpflügen).


ein sehr großes Hügelbeet

Dicke Totholzstücke begrenzen das Hügelbeet an der Seite. Die benötigte Muttererde fällt durch das Graben von Drainagen, welche um das Hügelbeet gelegt werden, automatisch an. So kann das Regenwasser abfließen und das sich absetzende, nährstoffreiche Substrat aufgefangen werden.

Das Hugelbeet von Carlos wird erstmal ca. ein Jahr ruhen müssen, da es mit mehreren Metern Länge, Breite und ein Meter Höhe sehr groß geworden ist. Bei kleineren, übersichtlichen Hügeln geht es natürlich schneller.

Bedingt durch das feuchte und warme Klima hier, wächst alles super schnell und es entstehen viele Gartenabfälle, die optimal für den Aufbau eines solchen Hügelbeetes genutzt werden können. Hält man sich grob an den oben aufgelisteten Aufbau, entsteht ein humusreicher Boden, optimal für den Anbau von Gemüse bzw. Obstpflanzen. Der Aufbau kann natürlich flexible gestaltet werden und man sollte sich nicht zu verkrampft an irgendwelche Anleitungen halten. Gerade in den Tropen, wo man nicht an Jahreszeiten gebunden ist und die Kompostierung viel schneller geht kann das gut ausprobiert werden.

Der Workshop über Permakultur hat sich trotz der Sprachschwierigkeiten gelohnt. Gerade um neue Leute kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und über neue Begrifflichkeiten wie Hugelkulturen, zu erfahren, ist ein solcher Workshop sehr empfehlenswert.

Wer in der Nähe San Josés wohnt und Zeit und Lust hat, kann sich der "Huertos Urbanos de Costa Rica" Gruppe anschließen. An freien Tagen kann man sich einfach bei jemanden mit einklinken und im Garten mithelfen, frei nach dem Motto: umso mehr helfende Hände, umso schöner ist es. Oft gibt es auch größere Gartenaktionen und Workshops, wo wirklich jede/r willkommen ist.

Mehr Informationen (und schöne Bilder) über Hügelkulturen finden sich unter:
permaculturenews.org

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