The value of a Bog Choi

von 14 marit  


Bok Choi

Dass die ökologische Landwirtschaft einige Herausforderungen mit sich bringt, steht außer Frage. Ökologisch angepflanzte Produkte sind meist teurer als die konventionellen, nicht ohne Grund. Das ist nicht nur in Deutschland so, sondern auch hier in Costa Rica. Auf dem Wochenmarkt oder auf der Feria Verde hier in San José sein Gemüse und Obst für die Woche zu erwerben ist teuer als im Supermarkt. Nicht viel, aber ein wenig.

Vor einigen Wochen arbeitete ich auf der Finca eines der Produzenten der Feria Verde mit. Da Beete neu bepflanzt werden sollten, wäre jede Hand hilfreich, hieß es und so fuhr ich für ein paar Tage auf die Finca von Carlos in Pocosol, Santa Rosa, an der Grenze zu Nicaragua. Auf dem Weg kauften wir einige Paletten Jungpflänzchen u.a. Basilikum, Frühlingszwiebeln und Bok Choi. Bei letzterem handelt es sich um ein Art Kohl, ursprünglich aus den asiatischen Ländern stammend. Sehr gesund, frisch und super zu Reis und mein neues Lieblingsgemüse.

Der erste Arbeitstag auf der Finca beginnt um sechs in der Früh. Schon jetzt ist es ziemlich warm und ich freue mich auf meine Gummistiefel.

Das geplante Pflanzen kann jedoch nicht direkt losgehen. Zuerst müssen die kompletten Beete umgepflügt und mit Kompost und Cal angereichert werden. Cal (Calziumcarbonat) reguliert als natürlicher Bodenstabilisator den pH-Wert des Boden. Eigentlich hätten die Beete schon vorbereitet worden sein sollen, aber manchmal kommen eben andere Arbeiten dazwischen, sodass andere auf der Strecke bleiben. So müssen die Pflänzchen eben noch ein wenig in ihren Töpfchen verharren.

Nachdem die Beete schließlich umgeackert und angereichert sind, werden die Bewässerungssysteme angelegt und geordnet. Dabei kann es natürlich immer sein, dass da ein Loch in dem dünnen Schlauch ist, sodass dieses erst geflickt werden muss.

Die Sonne knallt auf unsere Köpfe und ich überlege mir ein Workout-programm für sportliche Städlerinnen auf der Finca einzuführen. Da der Tag schon zu weit fortgeschritten ist und mittlerweile wirklich zu heiß ist um die Pflänzchen in die Erde zu setzen, verschieben wir das Pflanzen auf den folgenden Tag. Stattdessen müssen noch ältere Beete von Unkraut befreit werden. Pure Handarbeit, bei der man gut sehen kann, was am Ende geschafft ist. Ein Beet dauert ungefähr ein bis zwei Stunden, bei zehn Beeten dauert das schonmal ein paar Tage. Ein endloser Kreislauf und eine Arbeit, die Carlos nicht gerne seine Arbeiterjungs verrichten lässt. Für mich ist es ein bisschen wie Meditation und das erste Beet macht sogar Spaß.

Erst am zweiten Tag kommen wir dann zum eigentlichen Pflanzen. Die nicaraguanischen Arbeiterjungs wundern sich, wie der oso polar (Eisbär), damit meinen sie mich, den letzten Arbeitstag und die viele Sonne so gut weg stecken konnte. Motiviert schaufle ich kleine Erdlöcher in das Beet, immer direkt beim Loch des Wasserschlauches. Jedoch auch nicht zu dicht, da die Jungpflanzen sonst an dem heißen Gummi des Bewässerungssystem verbrennen. Natürlich auch nicht zu weit weg, damit das Wasser die Pflanze noch gut erreichen kann.


Bok Choi direkt nach dem Pflanzen

Schon längst tut mir der Rücken vom ständigen Bücken weh. Aber was soll's, weiter geht's, ich denke an mein Workout-programm. Nachdem das Beet voller Erdlöcher ist, kommt nochmal eine Prise Cal rein, danach werden die Bok Choi Pflänzchen, welche vorher noch in einem organischen Dünger (Inhaltsstoffe: u.a. verschiedene Mineralien, Knoblauch, Salze, Phosphate) getränkt werden, in die Erde gesetzt. Erst dann können die Pflanzen mit Erde bedeckt und festgedrückt werden. Anschließend werden sie nochmal mit der Knoblauchmischung besprüht, um Schädlinge fernzuhalten. Es hat schon wieder gefühlte 100°C und wir zweifeln, ob es nicht schon zu heiß war, um zu pflanzen.

Tatsächlich, nun einige Wochen später, sehen wir, dass nur ca. 40% der kleinen Bok Choi-Pflänzchen überlebt haben. Ein großer Verlust, der nicht hätte sein müssen. Ein bisschen zu chaotisch sind wir an die Sache rangegangen. Die Beete hätten bei Ankunft der Pflanzen längst gemacht sein sollen, sodass direkt mit dem Bepflanzen in den frühen Morgenstunden hätte begonnen werden können. Auch ein kleines Dach über den Beeten als Sonnenschutz wäre optimal. Da Carlos jedoch nicht mit den in der Landwirtschaft so weit verbreiteten Plastikdächern arbeiten möchte, kommt diese Art von Sonnenschutz für ihn nicht in Frage. Er hat jedoch schon einigen Alternativen im Kopf, die spätesten zur Trockenzeit Anwendung finden sollen. Auch das neu Anlegen des Bewässerungssysteme und das Umackern der Beete passiert nicht bei jeder Neubepflanzung. Dennoch ist es natürlich wichtig, dem Boden in regelmäßigen Abständen die Nährstoffe zurückzugeben, die die Pflanze zum Wachsen aus dem Boden aufnimmt. In der ökologischen Landwirtschaft werden die Böden weit aus weniger belastet als in der konventionellen. Jeder Tropfen Wasser, der auf Carlos' Finca aus den Beeten in die drumherum liegenden Drainagen fließt und Sediment mit sich trägt, wird aufgefangen und wieder auf den Beeten verteilt. Alles Erde, welche reich an Nährstoffen ist. Unvorstellbar, wenn man im Vergleich überlegt, in wie weit die konventionelle Landwirtschaft zu Grundwasserverschmutzung und Bodenerosion beitragt.


Bok Choi erntereif

Bis zur Ernte des Bok Chois vergehen vier bis sechs Wochen. Auch das wird natürlich nochmal Arbeitskraft in Anspruch nehmen, dann die Fahrt zum Markt und die Zeit zum Verkaufen.

Ein Strauß Bok Choi wird auf der Feria Verde für 500 Colones verkauft, das sind umgerechnet ca. 70 bis 80 Cent. Für ein ökologisch angepflanztes Gemüse, frei von jeglichen Pestiziden und Herbiziden. Der Arbeitsaufwand bei der ökologischen Landwirtschaft ist wesentlich höher als bei der konventionellen. Dadurch werden mehr Arbeitsplätze geschlafen, gleichzeitig müssen diese Arbeiter natürlich bezahlt werden und der Gewinn verringert sich. Wenn dann noch jemand fragt- was tatsächlich passiert- warum der Strauß Bog Choi so teuer ist, stellt sich wiedermal die Frage: was sind uns unsere Lebensmittel wert?

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