Wo man hinsieht Zuckerrohr

von 14 caro


Das kleine Dorf Platanar, gelegen in der Provinz Alajuela, ist umgeben von Zuckerrohrfeldern. Erst wenn man ein bisschen weiter fährt, ändert sich das Landschaftsbild und endlose Ananasplantagen strecken sich einem entgegen. Neben Ananas spielt Zuckerrohr eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft Costa Ricas und ist eines der wichtigsten Exportgüter.

Die Hauptanbaugebiete des „caña de azúcar” liegen in der Tierra templada und in der Tierra caliente. Das geerntete Zuckerrohr landet in einer der 16 Raffinerien des Landes und wird in sogenannten „trapiches“ weiterverarbeitet. Für den internen Verbrauch werden noch heute Blöcke von unraffiniertem Zucker (panela) verkauft. Es gibt zwei Sorten des Zuckers. Die eine dient als Nahrung für den Menschen (caña amarilla) und die andere als Tierfutter (caña morada). Außerdem ist eine verfeinerte Form des Zuckerrohrsafts Grundlage für die Rum- und Schnapsproduktion.

Die Gewinne des Alkoholmonopols galten lange Zeit als eine der Haupteinnahmequellen des Provinz- bzw. Staatsetat. Der Anbau von Zuckerrohr in Costa Rica wird erst seit einem halben Jahrhundert praktiziert. Dies lässt sich auf den Wirtschaftsboykott der USA gegenüber dem revolutionären Kuba zurückführen. Kuba war bis zum Sturz der Diktatur durch die von Fidel Castro geführte Guerilla (1959) die Hauptquelle für die US-amerikanische Süßigkeiten Produktion. [1]

Coopecañera.
Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder auf den Kleinproduzenten „Coopecañera“ gestoßen. Diese Organisation übernimmt sämtliche Verantwortung von Aussaat bis Raffination vor Ort und wurde 1972 von Kleinbauern aus San Ramón gegründet. Deren Ziel war, die gemeinsame Organisation von Transport und Verkauf des Zuckerrohrs (brauner, weißer und Roh-Rohrzucker). Dies gelang im Jahr 2010 mit 1800t „fair“ produzierten Zucker, wodurch die Kooperation sich einen Platz auf den Markt sichern konnte. [2]

Problematik und Auswirkungen auf das Klima
Nicht nur wegen Sojaplantagen werden hektargroße Primärwälder abgeholzt. Der Anbau von Zuckerrohr vervielfacht sich stetig wegen seines hohen Energieinhalts, das für die Produktion von Agrosprit (Ethanol) genutzt wird. Brasilien gilt dabei als Hauptproduzent und somit auch als viertgrößter Treibhaugas Verursacher wegen der enormen Rodungen von Waldgebiete, die Platz schaffen sollen für besagte Energiepflanzen. [3]


Interessant ist auch die Tatsache, dass in Costa Rica für die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen Arbeiter aus Nicaragua eingesetzt werden. Diese Arbeitsmigranten bekommen oftmals niedrigere Löhne als der rechtlich verankerte Tagesmindestlohn. In Brasilien sieht es ähnlich aus: pro geerntete Tonne werden 1,20US$ gezahlt. Wobei die täglich zu erreichende Lohnquote bei 10 bis 15 Tonnen liegt. Dafür müsste ein Arbeiter dreißig Einschläge pro Minute mit der Machete über einen Zeitraum von 8 Stunden schaffen. Aufgrund dessen sterben Arbeiter aus purer Erschöpfung. Hinzu kommt noch der toxische Rauch durch das Abbrennen der Felder vor der Ernte des Zuckerrohrs.

Ein weiteres Argument gegen die Produktion von Agrosprit aus Zuckerrohr ist der durch Lachgas-Emissionen verursachte erhöhte Erwärmungseffekt von Ethanol aus Zuckerrohr. Dieser ist um 0,5-0,9-fach höher als CO2-Emissionen von Benzin aus Erdöl. Durch das Abbrennen der Felder besteht außerdem ein hohes Sommersmog-Potential. Das bei der Ethanolproduktion aus Zuckerrohr eingesetzte Pestizid Darconate mit hohem Anteil an Arsen macht die Überreste sehr ökotoxisch. [4]

Kommentar meinerseits
Im Internet sind einige lesenswerte Berichte/Studien über die Produktion von Agrosprit. Ich will mit diesem Blog nur einige Fakten offenlegen und wenn jemand mehr dazu weiß, dann einfach kommentieren. Im Januar oder Februar werde ich vielleicht eine Zuckerraffinerie besichtigen können, da mein Gastvater in einer solchen arbeitet…

Quellenverzeichnis:
[1] Iwanowski’s Costa Rica S.39, S.67
[2] www.weltlaeden.at/de/coopecaera.html
[3] www.klima-sucht-schutz.de/klimaschutz/klimawandel/die-abholzung-der-waelder
[4] http://fdcl-berlin.de/publikationen/fdcl-veroeffentlichungen/agroenergie-glossar/zuckerrohr-agroenergie-glossar-fdcl/

Noch kein Feedback


Formular wird geladen...