Abenteuer, Starkregen und krank sein

von 14 caro

Ich weiß, ich habe lange nichts mehr von mir hören lassen. In letzter Zeit war einfach zu viel los und ich musste meine Gedanken ordnen. Ich bin seit einiger Zeit ziemlich übel erkältet wegen dem launischen Wetter hier in San Carlos. Der Husten will erst gar nicht aufhören. Nichts desto trotz will ich euch von meiner kleinen abenteuerlichen Reise nach San Vicente erzählen.

Seit Silvester bin ich mit Jonathan aus Juanilama zusammen. Sein Bruder wohnt in San Vicente, ein Dorf in den Bergen oberhalb der Stadt Ciudad Quesada. Wir wollten ihn deshalb dort oben, so abgeschieden wie es dort ist, besuchen gehen. Samstagabends holt er mich mit dem Motorrad in Platanar ab. Ich packe mir nichtsahnend ein Paar warme Socken und eine Jacke ein. Dann geht es auch schon los. Der Motorradhelm war für mich die Bedingung, dass ich mitgehe. Normalerweise fährt hier jeder ohne. Wir fahren Richtung Ciudad Quesada und machen einen kurzen Zwischenstopp bei Bekannten. Anschließend gehen wir noch einkaufen fürs Frühstück.

Es ist mittlerweile schon dunkel geworden und relativ kühl auf dem Motorrad. Zudem muss ich auch noch eine schwere Tüte tragen. Wir fahren aus der Stadt raus und einige Kilometer die Landstraße entlang, bis wir dann auf einen unbefestigten Feldweg abbiegen. Der Weg führt immerzu bergaufwärts und es ist mittlerweile stockdunkel und sehr neblig. So fahren wir circa eine dreiviertel Stunde die holprige Straße im Schritttempo hinauf. Als wir endlich im Dorf San Vicente ankommen, freue ich mich schon auf ein warmes Haus und eine dicke Decke. Zu früh gefreut. Das Haus von Jonathans Bruder liegt noch etwa zwei Kilometer weiter oben, außerhalb vom Dorf.

Langsam werde ich ungeduldig und meine Hände werden blau vor Kälte. Wir durchqueren einen kleinen Wald und erleben etwas Ungewöhnliches: Ein Kojote passiert die Waldstraße. Nach diesem Schock bin ich plötzlich wieder hellwach und mir ist etwas unwohl zumute. Jonathan fährt auch etwas schneller als zuvor. Nach weiteren qualvollen zehn Minuten kommen wir endlich an. Drei riesige Köter begrüßen uns mit lautstarkem Bellen. Es stellte sich jedoch heraus, dass alle drei fromm wie Lämmer sind. Als wir den Korridor betreten, bemerkt Jonathan, dass der starke Wind ein Fenster hinausgerissen hat. Die Kälte ist kaum auszuhalten. Fast wie Deutschland im Winter. Der Wind peitscht durch die Bäume auf den Weiden und ein ekelhafter Sprühregen verschlimmert das Ganze noch. Vor der Tür warten wir bis uns jemand aufmacht, doch es öffnet niemand.

Er ruft einen Freund an und frägt warum dieser nicht hier im Haus ist. Ohne Schlüssel stehen wir bibbernd und ratlos vor einer verschlossenen Tür. Irgendwo im nirgendwo in den Bergen von Ciudad Quesada. Nach kurzer Überlegung holt er dann eine Machete und versucht damit die Tür aufzustemmen. Nachdem das nicht geklappt hat, gibt es nur noch eine Möglichkeit: Wieder runter ins Dorf fahren und den Schlüssel holen. Die Stimmung verändert sich und keiner hat Lust darauf den Weg noch einmal zu bestreiten. Außerdem hat es noch mehr zu regnen angefangen. Da es aber keine andere Möglichkeit gab, fahren wir wieder hinunter ins Dorf.

Zum Glück wartet Jorge, sein Freund, schon am Straßenrand um uns den Schlüssel zu übergeben. Zurück beim Haus sind wir völlig durchnässt und durchgefroren. Ich zieh mich um und wickle mich in zwei dicke Decken. Nicht die besten Voraussetzungen um eine Erkältung loszuwerden, das muss ich schon zugeben. Nach einer harten Nacht mit gerade Mal drei Stunden Schlaf wegen der ewigen Kälte freue ich mich auf die heiße Dusche. Oh ja, es gibt heißes Wasser zum Duschen hier.


Ausblick

Erst jetzt realisiere ich welch gigantischer Ausblick sich mir darbot. Ein riesiger Regenbogen war erschienen und da der komplette Korridor mit Glasfenstern ausgestattet war, konnte man diese Aussicht mehr oder weniger ohne zu frieren genießen. Mein ganzer Körper weigerte sich jedoch gesund zu werden und die Erkältung hatte sich wie erwartet verschlimmert.


Panne

Nach dem Frühstück werde ich wieder nachhause gefahren. Aber als hätten wir die Nacht zuvor nicht schon Pech genug gehabt, gab das Motorrad auf halber Strecke den Berg hinunter den Geist auf. Ein Glück, dass Jonathan sich zu helfen wusste und nach einer halben Stunde war wieder alles funktionstüchtig. Angekommen in Platanar falle ich erschöpft in mein Bett und schlafe den ganzen Nachmittag durch. Ich wache kurz auf um etwas zu essen und schlafe auch schon wieder ein.

Am nächsten Tag ist arbeiten angesagt. Wir nehmen sicherheitshalber unsere Regenjacke mit, da der Himmel grau ist. Im Projekt angekommen, fange ich an die Pflanzen kreisförmig von Unkraut zu befreien. Es fängt an zu nieseln und der Regen wird von Minute zu Minute stärker. Nachdem ich dann bis zu den Socken nass bin, entschließe ich mich wieder zurück zu gehen. Der Regen sollte auch noch den ganzen Tag so anhalten. Das ist der Sommer in San Carlos: kalt, verregnet und grau. Eben ein bisschen wie in meiner Heimat.

BlogNo:07

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