Vielleicht einmal zu viel gelächelt?

von 16 sabrina  

Mitten im Wald. Seine Lippen auf meinem Hals, ein Knoten in meinem Bauch. Ekel, Angst Wut. Ich stoß ihn weg, taumle nach unten zur Station. Stehe zitternd da, während mir tausend Fragen durch den Kopf schießen. Wie konnte es so weit kommen, habe ich etwas provoziert, einmal zu viel gelächelt. Könnte er das missverstanden haben?

Als so langsam durchsickert, was da gerade passiert ist, rufe ich meine Chefin an. Sie drängt darauf, dass ich das sofort Milo, meinem Chef berichte, auf dessen Finca ich zu Besuch bin. Eigentlich bin ich hierhergekommen, um bei einem Bienenprojekt mitzuhelfen, was auch erfolgreich zu laufen schien, bis sich der Bienenexperte als Riesen-A******* entpuppen sollte.

Bei ihm nämlich hat es wohl nicht geklingelt zu haben, als ich höre wie er pfeifend auf die Station zukommt. Ich muss ihn konfrontieren. Denn wenn ich meinem Chef davon berichten würde, würde das wohl der letzte Tag gewesen sein, an dem Mr. Bee an dem Projekt gearbeitet hat.

Nahezu furios trete ich ihm entgegen und packe all meinen Zorn in meine Worte. Meine spanischen Worte wohlgemerkt. Zwar näherer ich mich immer mehr einer flüssigen Sprechweise an, aber in einer solch emotionalen Situation ist es alles andere als easy, auszudrücken, was man sagen will. Ich frage ihn, was ihm das Recht gibt, mich anzufassen, ob es am Kulturunterschied liegen mag, oder einfach nur daran, dass er keinen Anstand hat. Er findet kaum Worte, ist klein wie ein Mäuschen und wagt es nicht etwas zu sagen. „Ich will dich nie wieder sehen, nie wieder mit dir arbeiten und nie wieder von dir angefasst werden.“ Das war das letzte, was ich ihm entgegenbringen konnte, bevor er reumütig hinter dem dichten Geäst des Waldes verschwindet. „Discúlpame, Discúlpame“, höre ich ihn noch sagen.

Nachdem ich mich dann doch entschieden hatte mit meinem Chef über den Vorfall zu sprechen, wurde Mr. Bee von der Finca entlassen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, kann die darauffolgenden Tage an nichts Anderes mehr denken.

Einen Tag später sollte ich erfahren, dass er eine Frau hat, die erst kürzlich deren gemeinsames Baby zur Welt gebracht hat. Und dann wird mir klar wie völlig verkorkst unsere Denke als Frau in Zusammenhang mit sexueller Belästigung ist. Wie wir sogar noch versuchen, das Verhalten zu verstehen, sogar zu rechtfertigen, indem wir uns fragen, ob wir nicht vielleicht selbst daran schuld sind, dass es soweit kam einfach nur, weil frau eine Frau ist. Vielleicht habe ich eben einmal zu viel gelächelt?

BlogNo:06

1 Kommentar

Kommentar von: Christian Förster [Besucher]

Wow…
Da fehlt einem erst mal die Sprache. Gratuliere für deinen Mut :)
Viel Kraft dir, du hast richtig gehandelt!
Chris

17-01-11 @ 11:41


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