Panzertape und lokales Antibiotikum

von 16 lennard  


Ein starkes Duo: diese zwei Dinge braucht der Mensch im Regenwald

Was hatten meine Mutter und ich uns noch für Gedanken gemacht, bevor es ab in den Regenwald Costa Ricas ging. Was werde ich da wohl alles brauchen? Welche Medikamente und welche Impfungen sollte ich mitnehmen bzw. vorher noch abhaken? Was sonst sollte mein Überleben hier absichern? Ich wurde gegen Tetanus, Hepatitis A+B, Typhus und Tollwut geimpft. Mir wurden Insektenschutzspray, Sonnencreme, Kohletabletten und Pflaster in rauhen Mengen in meinen Rucksack gepackt.

Was davon habe ich aber bisher in den knapp drei Monaten wirklich gebraucht? Die Antwort lautet: Nichts und wieder Nichts. Sonnencreme erwies sich als absolut unnötig, da in der Station nie die Sonne scheint. Außerdem sind die anderen mitgenommenen Sachen bereits in Hülle und Fülle in der Station vorhanden. Ich könnte mir damit den gesamten Körper zupflastern, mich jeden Tag im Mückenschutz baden, eine ganze Weile zu jeder Mahlzeit eine Kohletablette nehmen und gleichzeitig meinen Körper zentimeterdick mit Sonnencreme bedecken.

Was bleibt also, was man zum Überleben im Regenwald Costa Ricas wirklich braucht? Es lässt sich tatsächlich auf die simple Formel Panzertape und lokales Antibiotikum herunterbrechen. Diese beiden Sachen sollte wirklich niemand vergessen, der einen längeren Aufenthalt im Regenwald plant.

Um dies zu erklären, muss dem Leser zuallererst erläutert werden, dass es keine zwei Wochen dauerte, bis Anna und ich uns die erste bakterielle Infektion zugezogen hatten. Beim Gras chappen haben wir uns ziemlich kleine und ziemlich viele Schnitte von dem extrem hohen und scharfen Gras zugezogen. Diese Schnitte waren weiter nicht der Rede wert, da der geringe Schmerz sehr schnell nachgelassen hat. Ärgerlich an der Sache war aber, dass das Gras uns etwas mitgegeben hatte, das dazu geführt hat, dass sich rund um die Schnitte äußerst schmerzhafte Blasen gebildet haben. Diese Blasen ließen nach dem Aufstechen sich ausbreitende hautlose Flecken zurück; eine sehr unangenehme Begleiterscheinung. Ich für meinen Teil hatte teilweise jeweils mindestens 5 solche ekelhaften Blasen an jeder Hand, womit allein das Fassen in die Hosentasche schmerzhaft war.

Eine Weile haben wir einfach nur gewartet, bis die Wunden verheilen, was aber alles andere als schnell ging, bis uns unser Chef Miguel erklärt hat, dass es sich bei dem, was uns plagt, um ein Bakterium handelt. Lokales Antibiotikum kam damit zu seiner ersten Anwendung hier und siehe da: In kürzester Zeit waren die Wunden verheilt und auch neue Schnitte haben sich nicht weiter entzündet oder ausgebreitet.

Später dann hatte Anna etwas von einem Mückenstich unübersehbar an der Lippe mitbekommen. Ganz ähnlich wie bei der ersten Infektion wirkte es, als ob sich eine kleine Wunde immer weiter nach allen Seiten kreisrund durch die Haut vorarbeiten würde. Die Bewohner von El Sur wussten schnell Bescheid. Es handele sich dabei um einen Carate. Schnell wurde uns erklärt, was wir brauchten sei lokales Antibiotikum. Und wer hätte das gedacht, die lästige Infektion verschwand innerhalb von zwei Tagen voll und ganz.

Mindestens ebenso notwendig wenn nicht gar essentiell wichtig ist Panzertape. Es ist nicht nur für allerlei Reparaturen im Haushalt geeignet, nein, es kann noch viel mehr.

Anna meinte beispielsweise nach ca einem Monat, barfuß in der Vivero arbeiten und dabei in einen alten Nagel treten zu müssen. Die Wunde war nicht zu tief, aber baden gehen machte sie vorerst unmöglich, da die Gefahr zu groß war, dass sie sich entzündet. Aber Lösung war nahe. Nachdem sie lokales Antibiotikum aufgetragen hatte, wurde das Pflaster einfach mit einer guten Portion Panzertape eingewickelt und schon konnte sie wieder baden und das Wasser des Flusses genießen.


Dank Panzertape funktioniert die Steckdose endlich wieder.

Die spielen wieder wie neue.

Ein weiteres Beispiel, wo das Panzertape zur Anwendung kam, hat mit dem abendlichen Filme (vorwiegend natürlich Dokus) gucken zu tun. Die Steckdose, an die der PC und die Boxen angeschlossen werden, funktioniert nämlich nur, wenn man den Mehrfachstecker in die Dose drückt. Tut man dies nicht, löst sich lästigerweise die Stromverbindung.

Da aber niemand gerne einen ganzen Film stehend schaut, musste eine Lösung her. Und wie alle LeserInnen sich sicher bereits denken können, war auch hier wieder unser starker schwarzer Freund zur Stelle und fixierte die Steckdose sicher an der Wand. Genauso zuverlässig erfüllt das Panzertape auch bei meinen Fußballschuhen seine Pflicht, da es die abgefallene Sohle mit dem Rest des Schuhs einwandfrei verbindet.

Wenn wir in ca. 9 Monaten wieder abreisen, werden unsere mitgebrachten Arzneimittel die sowieso schon viel zu große Trockenraumapotheke weiter vergrößern. Panzertape und lokales Antibiotikum dagegen wird wohl jede Freiwilligengeneration wieder selbst mitbringen müssen. Wir können nämlich noch nicht absehen, ob davon am Ende des Jahres wohl noch etwas übrig sein wird.






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