Keine Selbstverständlichkeit: Sauberes Wasser

von eva_l_10  

Über die Wichtigkeit des Elements Wasser ist sich jeder zumindest theoretisch bewusst. Den Wasserhahn aufzudrehen und frisches Trinkwasser in scheinbar unbegrenzten Ausmass zu empfangen lässt einen dieses Bewusstsein manchmal vergessen. Erst wenn Wasserknappheit herrscht oder das verfügbare Wasser nicht trinkbar ist, beginnt man am eigenen Leibe die Wichtigkeit des Rohstoffes Wasser zu spüren.

Das Indianerdorf Las Vegas liegt auf 250 m über Meereshöhe im Süden Costa Ricas und gehört zur Provinz Puntarenas. Von den insgesamt fünf Territorien der Ngobeindianer in Costa Rica ist das Territorium Conte Burica, zu dem Las Vegas gehört, mit seinen 12 8000 ha das grösste. Würde man meinen, dass der Staat für die Wasserversorgung seiner Bürger sorgt, so täuscht man sich. In Las Vegas bleibt den Einwohnern nämlich immer noch die Befriedigung dieses Grundbedürfnisses verwehrt.

Es gibt eine sehr notdürftige Konstruktion von einer Wasserquelle zum Gemeindehaus und zu einigen Häusern, diese existenten Wasserleitungen, die auf Gemeindeinitiavive hin vor einigen Jahren errichtet wurden, sind oft kaputt und werden in Anbetracht der begrenzten Möglichkeiten mit Klebeband oder Ästen repariert. Da es keinen Wasserfilter gibt und der Wassertank in einem katastrophalen Zustand (defektes Dach, Verschmutzung) ist, ist das verfügbare Wasser auf keinen Fall Trinkwasser. Hält man es gegen das Licht, kann man mit blossem Auge Tierchen schwimmen sehen. Die Schule von Las Vegas liegt auf einem kleinen Hügel weswegen häufig zu wenig Druck herrscht, damit das Wasser bis zum Wasserbecken gelangen kann. Darüber hinaus handelt es sich bei dem Schlauch, der zur Schule führt, um einen Gartenschlauch und nicht um ein Wasserrohr für Trinkwassertransport, was die Wasserqualität noch weiter vermindert. Die Mehrheit der Dorfbewohner muss Wasser mit Behältern zum Haus hintransportieren. Die Wege, um Wasser zu finden, erweisen sich vor allem im Sommer, wo mehr Wasserknappheit herrscht, als lang und beschwerlich. Für den Transport werden alte Benzinkanister Transport verwendet.

Mitten im Wald mit seinen zahlreichen Wasserquellen stehen die Bewohner also vor dem Problem, dass sie kein Trinkwasser haben!! Es ist nicht verwunderlich, dass vor allem die Kinder unter Verdauungsproblemen leiden, verursacht durch Parasiten im Wasser. Fehlt fliessend Wasser, ist auch die Hygiene mangelhaft und erhöht das Risiko der Verbreitung von Infektionskrankheiten. Leider ist es nicht üblich, dass Wasser vor dem Konsum abzukochen, ausser es wird Kaffee gekocht. Eine andere Möglichkeit ist das Wasser mit Chlortropfen trinkbar zu machen. Der Geschmack lässt zu wünschen übrig. Kurz: die Menschen konsumieren das Wasser, auch wenn es ihnen schadet.

Das tägliche Bad wird hauptsächlich mit Eimer und Schale praktiziert, den Kindern gefällt es sehr, sich im Fluss zu baden und Steine umdrehend Scampis zu jagen. Oft sitzten die Mütter in der Nähe und waschen Wäsche, in dem sie mit flinken Handgriffen schrubben und die Wäsche auf einen Stein schlagen. Anfangs schmerzt es noch, das Waschpulver im Fluss davonziehen zu sehen, doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier und lebt im Rahmen seiner Möglichkeiten.

Im Rahmen meines Aufenthalts in Las Vegas habe ich gemeinsam mit Marcos, einem der Dorfbewohner, die sich noch am meisten einsetzen, den Zustand der jetzigen Wasserleitungen dokumentiert, die infragekommenden Wasserquellen für ein neues Aquaedukt gemessen und in einer Karte festgehalten, sowie eine Bewerbung an das AYA (Instituto Costarricense de Acueductos y Alcantarillados) fertiggemacht.

Aufgrund der Abgeschiedenheit des Dorfes ist die Beweglichkeit der Bewohner sehr eingeschränkt. Transport nach draussen findet zwar regelmässig statt, ist aber sehr kostspielig. Es gibt keinen Strom und damit keine Möglichkeit, Anträge am Computer im Dorf zu formulieren. Daher waren Reisen nach draussen ins nächstgelegene Dorf mit Internetzugang und Kontaktaufnahme mit Behörden einige der Aufgaben, die ich gerne übernommen habe.

Der nächste Schritt wird ein “Visita técnica” im Sommer 2012 sein. Ein Ingeneur von AyA wird Las Vegas einen Besuch abstatten, sich die Wasserquellen anschauen und einen Arbeitsplan ausarbeiten. Die Messung muss in Zeiten der grössten Wasserknappheit vorgenommen werden, daher die Wartezeit. Die Bewohner sind dann verpflichtet monatlich einen kleinen Beitrag zur Instandhaltung der Wasserleitungen zu zahlen. Abgesehen davon, ob das im Rahmen ihrer Möglichkeiten steht oder nicht, die Aquaedukte stehen dann (hoffentlich!)

Die weiter unten gelegenen Dörfer ausserhalb des Territoriums melden jetzt schon ernsthafte Wassernappheit an und bitten die Gemeinden in Conte Burica, “ihr” Wasser verwenden zu dürfen. Ursache des Problems ist die Wasserverschmutzung durch die Palmindustrie. Das Gift, mit denen die alten Palmen getötet werden, verseucht Flüsse und Grundwasser.

Die Palme nähert sich inzwischen mit rasanter Geschwindigkeit auch Richtung Las Vegas. Ebenso rasant werden illegal Bäume gefällt und für Spottpreise verscherbelt, auch Bäume, die die wertvollen Wasserquellen schützen bleiben davon nicht verschont.

Es ist ein Desaster.

Wasser ist Quell des Lebens und die wichtigste Ressource der Menschheit. Bis das ebenjene Menschheit realisiert haben wird, wird es zu spät sein.

1 Kommentar

Kommentar von: Anna [Besucher]  

Ich bin die aktuelle Freiwillige in dem Dorf, und kann Berichten dass die Wasserleitungen tatsächlich vor ein paar monaten verlegt wurden! Die Qualität des wassers aus den leitungen lässt allerdings auch zu wünschen übrig. Die Kinder leiden immernoch oft an Beschwerden und Parasiten sind ebenfalls unterwegs. Allerdings wurden nun Gelder zur verfügung gestellt damit die Menschen sich sanitäre anlagen bauen können. Vielleicht wird diese verbesserung der hygienischen Bedingungen die ständigen Grippeepedimien eindämmmen. Auch wenn ich glaube das ein geschwächtes Imunsystem (vielleicht bedingt durch einseitige ernährung? ) schuld an diesen ist.


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