Die Gefährten

von 17 marlene  


Bootsfahrt zum Einsatzgebiet.

Mitten in der Nacht machen wir zwei Freiwilligen uns auf, um zusammen mit den vier „Gatos“ (zu Deutsch Katzen) Abelado, Cristóbal, Orlando und Óscar in das Abenteuer Karibik, Kakao und Kulturen aufzubrechen. Um hier keine Verwirrung zu stiften, erstmal eine Namenserläuterung: Die G.A.T.O.- Farmer haben wenig Ähnlichkeit mit ihren Namensvettern, den Katzen. Weder schnurren sie, noch können sie nachts sehen.

Der Name steht also für Grupo de Asistencia Técnica Orgánica, denn die ihr zugehörigen Farmer helfen der Initiative Sano y Salvo, den organischen Anbau in den Tropen zu verbreiten. Sano y Salvo ist unter anderem eine Bauernschule, die in Weiterbildungen praktisches Wissen, wie die Herstellung von natürlichem Dünger oder Insektenschutz vermittelt. Alle drei Monate gehen die Gatos erneut auf Reisen und besuchen andere Mitglieder Sano y Salvos und deren Fincas. Sie dokumentieren, geben Tipps und erarbeiten neue Arbeitspläne für die jeweiligen Produktoren.


Im Gänsemarsch durchs Gebüsch.

Fleißige Freiwillige bei der Dokumentation.

Kaffeetante.

Abschlußgespräch.

Vivero. Pflanzberatung in der Baumschule.

Unsere Tage hier beginnen pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen. Mit ihnen schallt das Radio durchs Haus, die Hängematten werden eingepackt und Gallo-Pinto-gestärkt wird das Boot beladen. Die Bootsfahrt führt uns quer durch die Lagune, vorbei an Mangroven und tief hinein in den Dschungel. Langsam gleiten wir auf den schmalen Flüssen, ducken uns unter tiefhängenden Lianen hinweg und versuchen noch nebenher das heutige Mittagessen zu fangen. Während bunte Schmetterlinge umherflattern und Affen im Hintergrund brüllen, wird es im Boot plötzlich ganz still, als sich eine gefährliche Terciopelo vor uns ins Wasser fallen lässt.

Erstmal angelegt geht die Reise zu Fuß weiter. Sümpfe stellen unser Gleichgewicht, unsere Gummistiefel und die Geduld der Gatos auf die Probe. Abseits von Wegen geht es über Grasland und Wälder zu der ersten Finca auf dem jeweiligen Tagesplan. Ab und zu kommt es einem vor, als hätten selbst die Gatos im tiefsten Dschungel die Orientierung verloren, bis man realisiert, dass sie sich wohl doch zielgerichtet planlos mit ihren Macheten durch das Gehölz schlagen. Auch wir zwei schlagen des Öfteren um uns, aber vielmehr um die Sanguros-Heere abzuwehren.

Wenn die ersten Kakaobäume in Sicht kommen, ist meist das erste Ziel, die Finca und somit der Agroforst erreicht. Mit gezücktem Stift und geöffneter Linse kann die Dokumentation beginnen: Kakao, Kaffee, Borojo, Canela, Cocos, Bananen, Mamon Chino, Pejibajes, Orangen, Limones. Da nicht jeder Agroforst bzw. jede Pflanze in ihrem Idealzustand ist, zeigen die Gatos dem jeweiligen Produktor gleich vor Ort wie die Pflanzen richtig beschnitten oder gegebenenfalls veredelt werden können. In einem abschließenden Gespräch geht es um Aussaat, derzeitige Düngemittelproduktion oder auch die Schwachstellen der Finca. Es wird die Umsetzung altgesetzter Ziele besprochen und neue werden zusammen gesteckt. So soll Farmer Felix mehr über die Herstellung von organischem Dünger erlernen, dabei kann er sich auf die Unterstützung des Gato Abelado verlassen. Zudem soll er die im Januar von Sano y Salvo veranstaltete Schulung zu diesem Thema besuchen.

Der allgemeine Schwerpunkt dieser Arbeitsreise liegt auf Gründung beziehungsweise Aufstockung der Vivero (Baumschule). Hierfür erhält jeder Bauer, den wir besuchen, 100 Pflanztüten, die ihm das Vorhaben erleichtern sollen. Cristóbal und Orlando empfehlen die Aufzucht von Pimienta Dulce, da dieses Geld in die Fincakasse spült. Neben den vielzähligen langjährigen Sano y Salvo Mitgliedern, denen wir auf dieser Reise einen Besuch abgestattet haben, konnten wir sechs neue ramastämmige Mitglieder gewinnen. Mit diesen hat Óscar die Vorteile und Vorgehensweise eines Agroforstes besprochen, die Finca wurde in Zahlen und Fakten aufgenommen und Einladungen für die nächste Schulung ausgesprochen.

Nach einem erfolgreichen Arbeitstag steigen wir zerstochen und zerstrubbelt zurück ins Boot, um dann unter der Plane vor den herabfallenden Sturzfluten Zuflucht zu suchen. Regennass und reif fürs Essen legen wir an Rama Cay an. Mit dem Verglimmen des letzten Sonnenstrahls legen sich Nacht und Dunkelheit über die Insel und wir uns in unsere Hängematten.

Und wie einst schon Galadriel sagte, mag selbst der Kleinste den Lauf des Schicksals zu verändern. Welch´ ein gutes Omen für unsere Sano y Salvo Schützlinge.





Lesetipp:
Kokos, Kanus und Kulturen von Charlotte
Über Flüsse und Kanäle von Antonia
Die Zeit rennt ... Einblick in das Arbeitsleben einer Freiwilligen von Sarah
Der Fischer im Agroforst - Eine Reise zu den Indigenen auf Rama Cay von Julian

BlogNo:02

1 Kommentar

Kommentar von: Johanna [Besucher]

Sehr schön :) Hobbits gegen garstige Glyphosat-Orks. Das Auenland ist grün!

18-01-20 @ 12:55


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