Guanacaste: Die heißeste und trockenste Region Costa Ricas.

von 18 luis  

Es ist erstaunlich, dass eine Region in der Regenzeit so trocken sein kann. Bis vor kurzem hat es hier noch mindestens einmal am Tag für eine oder mehrere Stunden monsunartigen Niederschlag gegeben, dass die Straßen nicht mehr als solche zu erkennen waren. In puncto Wasser wären die Pflanzen hier ausreichend versorgt, dachte ich mir.


Eine herannahende Gewitterfront

Jedes noch so kleine Rinnsal verwandelte sich binnen kürzester Zeit in einen reißenden Strom. Doch so schnell das Land unter Wasser stand, trocknete es auch wieder aus. Wo am Vortag noch Straßengräben mit bis zu einem Meter befüllt waren, war jetzt nur noch ein kleines Pfützchen zu sehen, das drohte, sich mit den nächsten Sonnenstrahlen ganz aufzulösen. Die Sonne in Äquatornähe lässt Wasser innerhalb kurzer Zeit verdunsten. Gut, dass die nächste Regenfront ja nur noch wenige Minuten entfernt lag.

Aber was, wenn die Regenzeit vorbei ist? Allzu bald waltet hier nämlich die Trockenzeit. In den Monaten zwischen November und September regnet es dieser Orts einmal bis gar nicht. Die Temperaturen steigen und es wird noch trockener. Bei der Hitze die jetzt schon herrscht, ist das für mich kaum vorstellbar.

Normalerweise haben sich Regionen wie Guanacaste natürlich an diese Gegebenheiten angepasst. Zusammenhängende Waldgebiete speichern während der Regenzeit so viel Wasser, wie möglich und halten die Feuchtigkeit in der überirdischen Biomasse. Wurzelwerk und Blätterdach. Dazwischen das Stockwerkprinzip, wie im Regenwald. Verschiedene Pflanzen verschiedener Größe und eine artenreiche Tierwelt bilden Ökosysteme, die dafür sorgen, dass Wasser in ständigem Kreislauf bleibt und nicht so schnell verdunstet. Diese Tatsache ist schon seit langem bekannt.

Bei einem Besuch einer Finca, dessen Bauer sich zur Aufgabe gemacht hat, Möglichkeiten der Wasserspeicherung zu testen, wurden meinem Gastvater und mir diverse Konzepte vorgestellt. Von künstlich angelegten Seen und Teichen, bis zu über- und unterirdischen Wassertanks war seines Erachtens nach keines so erfolgreich, wie ein Wald. Er war nun seit mehreren Jahren darum bemüht, systematisch Stück für Stück seines Grundstückes aufzuforsten und zu einem funktionierenden Ökosystem heranwachsen zu lassen, denn es gibt ein kleines Problem: Den Wald gibt es nicht mehr.

Ab den 1950er Jahren mussten ehemals nahezu zwei Drittel bewaldeter Staatsgebiete Rodung und intensiver Landwirtschaft weichen, bis in den 1980er Jahren nur noch mickrige 21 Prozent des costaricanischen Waldes übrig waren. Mit der Abholzung verlor das Land also seinen wichtigsten Wasserspeicher. In einer Region nahe des Äquators kann das durchaus problematisch ausgehen.


Eine Weidefläche mitten im Wald

Die Böden hierzulande sind, anders als beispielsweise in Deutschland, nicht sonderlich fruchtbar. Da Nährstoffe, ähnlich dem Wasser, hauptsächlich überirdisch gespeichert sind, ist der Waldboden nach mehreren Jahren nicht mehr zu landwirtschaftlichen Zwecken zu benutzen und immer größere Teile des Waldes müssen für gleich bleibende Ernten vernichtet werden. Auch für die weit verbreitete Viehzucht entwaldete man große Areale der Landschaft und sähte nicht heimische Gräser als Nahrung für die Rinder. Da die neuen Grassorten allerdings auch keine Nährstoffe aus dem Nichts zaubern können, mussten schlichtweg einfach die Gebiete erweitert werden, um dem Vieh genug Nahrung zu bieten.

Mittelfristig brachte die Abholzung eine weitere verherende Folge, die Erosion. Wo man in Costa Rica auch lang fährt, man sieht rote Risse in der Landschaft. An vielen stellen scheint sich die Erde aufzutun und ihren Oxid haltigen Inhalt freizugeben. Wie schon gesagt, wenn es hier mal regnet, dann richtig. Stellt man sich nun große, hügelige Flächen Graslandschaft auf lockerem Boden vor, weiß man was passiert. Die Wassermassen spülen alles fort, was nicht gut verwurzelt ist, Stichwort: Bäume würden dafür sorgen, dass dem nicht so geschieht.


Ein durch Erosion umgestürzter Baum

Im Wald wird in jedem einzelnen Stockwerk ein bisschen Wasser aufgehalten und wenn die ersten Tropfen am Boden angelangen, hat der Schauer schon fast wieder aufgehört. Dann hat das Wasser genug Zeit, von Pflanzen aufgenommen zu werden. Nicht so auf einer riesigen freien Fläche. Das Wasser fließt ungehindert ab und reißt große Teile von Hügeln und Bergen mit sich. An vielen Straßen sind Berghänge inzwischen einbetoniert, damit keine Gefahr für Leib und Seele droht.

Und die Bauern? Holzen fröhlich weiter Wald für ihre Rinder ab. Das größte Problem dabei ist nicht die Abholzung an sich, sondern die Kettenreaktion, die dadurch ausgelöst wird. Dadurch, dass der Wald stetig verkleinert wird, existieren nur noch wenig zusammenhängende Gebiete, die groß genug sind, langfristig ausreichend Wasser zu speichern, um die Trockenzeit zu überstehen. Teile, die nicht abgeholzt werden, vertrocknen schlicht weg. Hält diese dramatische Entwicklung an, wird die Region Guanacaste auf Dauer zu einem Arizona 2.0, es entsteht Wüste. Wüste, die immerhin einem Fünftel des gesamten Landes entspricht.


Die Wassermassen tragen ganze Bergstraßen ab, die nicht gut befestigt sind

In unserer unmittelbaren Nachbarschaft hat erst vor kurzem erst jemand sein gesamtes Grundstück dem Erdboden gleich gemacht und ein schönes qualmendes Feuerchen mit all den Bäumen gemacht. Der Bus, mit dem ich oft zur Arbeit und wieder nach hause fahre, zieht jedes Mal eine dicke Staubwolke hinter sich her, sodass nach wenigen Metern vom Bus selbst nichts mehr zu sehen ist.

Vielleicht seht der Bus als Sinnbild für den Menschen, der in seiner eigenen Staubwolke zu verschwinden droht.

BlogNo:03

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