Weil der Lauf des Lebens keinen Sonntag kennt

von 18 emily  

Sonntag, 06.01.2019. Dieser Tag sollte eigentlich ein ganz entspannter, freier Sonntag ohne Pläne werden. Dieser Idee wurde aber schon nach dem Aufstehen ein Strich durch die Rechnung gezogen. Bei der Arbeit mit Tieren kann es halt nie einen „freien Sonntag“ geben.

Auch am Wochenende müssen sie gefüttert und umsorgt werden. Als ich aus meinem Zimmer kam erklärte mir unser Vorarbeiter, dass Sven-Lukas (das Flaschenlamm, von dem ich im letzten Blog ('Es hängt ein Schaf im Baum') schon erzählt habe) im Sterben läge. Aufgebracht bin ich sofort zum Stall gelaufen und habe dort ein anderes Lamm im Stroh aufgefunden. Das Kleine hat sich vor Schmerzen so viel bewegt, dass der Untergrund schon komplett weggeschoben wurde und es nur noch auf dem blanken Boden lag. Außerdem wurde es immer wieder von Krämpfen durchzogen.

Kurzerhand habe ich es mit zum Haus getragen, in der Hoffnung noch irgendetwas für den Kleinen machen zu können. Leider habe ich keine Möglichkeit gesehen ihm zu helfen und auch unser Vorarbeiter schien nicht sehr interessiert an einer Rettung zu sein. Einfach mal den Tierarzt anrufen, wie in Deutschland, das macht man hier nicht. Die sind teurer als der „Wert“ des Tieres, weshalb man es dann eher sterben lässt. Deshalb habe ich ihn zurück in den Stall gebracht.

Dort habe ich dann aus dem hinteren Teil des Stalls einen Lammschrei gehört. Ein neues Baby! Die Ziege hat ihr Kleines in dem Trubel bekommen. Die Ohren fast bis zum Boden und schneeweiß stand es auf den noch wackligen Beinen. Leider scheint es noch zu klein zu sein, also zu früh geboren zu sein. Es kann nicht selbstständig trinken, was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir es von nun an füttern müssen.


Sven-Lukas, wie er noch gesund war

Nachdem ich das mit unserem Vorarbeiter zusammen erledigt habe, wollte ich den Stall wieder verlassen. Auf meinem Weg habe ich Sven-Lukas gefunden, der reaktionslos an eine Wand gelehnt lag. Noch ein Sorgenkind. Normalerweise kommt er schon, wenn man ihn nur ruft, aber an diesem Sonntag hat er nicht einmal die Augen geöffnet, als ich ihn gestreichelt habe. Also habe ich auch ihn mit zum Haus genommen, um ihm eine Flasche Milch zu füttern. Das hat er, ganz unüblich, ohne sich zu wehren über sich ergehen lassen. Zusammen mit Maurice haben wir ihn dann noch mit Wärmflaschen in ein Handtuch eingewickelt und ihn abwechselnd schlafen und essen lassen. Auch das andere, schwache Lamm haben wir wieder zum Haus geholt. Ein Auge war milchig und verklebt. Es konnte den Kopf nicht mehr selbst halten und nur noch ausgestreckt liegen. So haben Maurice und ich unseren Sonntagvormittag damit verbracht ein Auge auf zwei Lämmer im Haus zu haben und das Ziegenjunge zu füttern.

Mit der Zeit ging es zumindest Sven-Lukas dann auch wieder besser. Er hat die Aufmerksamkeit und das Futter nur für ihn genossen. Deshalb haben wir ihn nachmittags dann auch wieder zu seiner Herde gebracht. Das andere Lamm erholte sich nicht und schien schwächer und schwächer zu werden. Irgendwann habe ich mich wieder zu ihm an den Küchenboden gehockt und die Ameisen sind schon gekommen. Der letzte Atemzug und auch der letzte Herzschlag waren vergangen. Tot. Schon das zweite, so junge Leben haben wir verloren.

Am Montagmorgen bin ich dann wieder hoch. Die Babyflasche mit der Milch aus Milchpulver für Sven-Lukas hatte ich schon dabei und wollte ihn füttern. Als ich den Stall betrat und ihn nicht gleich sehen konnte hatte ich schon ein schlechtes Gefühl, das sich bei einem Blick um die Ecke bewahrheiten sollte. Der kleine, mir so vertraute Körper, schwarz mit weißen Zeichnungen, lag am Boden. Weit ausgestreckt und das eine Auge halb geöffnet. Die Ameisen waren auch hier gekommen. Er ist seiner Zwillingsschwester einen Monat später nachgegangen. Tot, tot, tot. Warum? Das ist eine Sache, die wir in beiden Todesfällen nicht verstehen können.

Das Lamm vom Sonntag war zuvor immer eines der lebendigeren und auch Sven schien sich am Vortag wieder regeneriert zu haben. Den Vorsatz, keinem Tier in diesem Stall einen Namen zu geben, haben Maurice und ich bei der Aufzucht von Sven-Lukas das einzige Mal gebrochen und unsere Herzen ein wenig an ihn gehängt. Jetzt ist es für mich aus diesem Grund noch schwieriger loszulassen.


Mutter mit Lamm

Und als wäre das nicht genug Trubel für zwei Tage gewesen fand ich wenige Stunden nach dem toten Lamm ein neu geborenes Lamm. Leider ist auch hier nicht alles reibungslos verlaufen. Die Mutter hat nicht genug Milch produziert, weshalb das Neugeborene nicht genug zum Essen bekommt.

Also haben wir jetzt zwei neugeborene Tiere innerhalb von 2 Tagen bekommen, denen wir beiden beim Trinken helfen müssen. Das bedeutet nicht nur viel Arbeit, sondern ist auch ein großer Risikofaktor, der die Beiden noch ihr Leben kosten kann.

BlogNo:05
test custom field:

Noch kein Feedback


Formular wird geladen...