Was haben ein Grenzfluss, eine Provinz und ein Gericht gemeinsam?

von 13 josina  

Ganz gleich mit welcher Person von welcher Seite der Grenze man sich unterhält, selten lässt ein Tico ein gutes Haar an einem Nico - oder andersherum. Außerdem trifft man auf viele Leute, die das Nachbarland noch nie bereist haben - ob nun aus Geldmangel oder fehlendem Interesse sei dahingestellt.

Doch warum ist die Beziehung der beiden Länder Costa Rica und Nicaragua so angespannt?

Ein Streitpunkt ist sicher die Anexion Guanacastes an Costa Rica im Juli 1824, denn die Provinz gehörte vorher - wie man sich nun vermutlich denken wird - zu Nicaragua.


Flagge Guanacaste

Flagge R.A.A.S. (Región Autónoma del Atlántico Sur)

Damals entschieden sich die Bewohner der Provinz per Volksentscheid von nun an zu Costa Rica zu gehören. Seitdem wird der 25. Juli jeden Jahres als Nationalfeiertag zelebriert. Obwohl dies nun schon fast 200 Jahre her ist, hört man immer noch Stimmen aus Nicaragua, die Guanacaste als Teil ihres Landes sehen. Dass Guanacaste einst zu Teil Nicaraguas war, lässt sich noch an den Flaggen der Provinzen Guanacaste und der Región Autónoma Atlántico Sur (Südwesten Nicaraguas) erkennen.

Es gab aber noch weitere Vorfälle, die die Beziehung der Nachbarn auf die Probe stellten:
Dieses Mal war niemand anderes als der Suchmaschinengigant Google Schuld. Ein verschobener Grenzverlauf führte die beiden Länder im Jahr 2011 sogar bis vor das Gericht in Den Haag. Was war passiert?

Ein nicaraguensisches Bauunternehmen begann mit Maßnahmen auf der Isla Calero unweit der Mndung des Grenzflusses Río San Juan. Die Offiziellen der anderen Seite verstanden die Welt nicht mehr, doch der Unternehmer aus Nicaragua sah sich im Recht, als er eine Karte des Grenzverlaufs auf Google Maps präsentierte. Eindeutig gehörte laut dieser Quelle jenes Streitgebiet nicht zu Costa Rica.

Da hierzulande das Militär im Jahre 1948 abgeschafft worden war, konnten nur die "normalen" Polizisten anrücken und so landete der Fall vor Gericht bei unseren holländischen Nachbarn.

Dann noch ein weiterer Aspekt, der vermutlich die meisten Menschen auf beiden Seiten betrifft: der Streit um das Nationalgericht.
Jeder, der einmal eines der beiden Länder besucht hat, konnte mit großer Wahrscheinlichkeit dem berühmten 'gallo pinto' nicht entkommen und durfte somit auch einmal das köstliche Gericht aus Reis und Bohnen in Variation mit Ei, frittierten Plátano oder cuajada (Käse) probieren. Angeblich soll eine Variation darin liegen, dass in Nicaragua rote Bohnen mit Reis gemischt werden, während es in Costa Rica schwarze Bohnen sind. Allerdings muss ich an dieser Stelle anmerken, dass ich auch im tico-Land schon "roten" pinto gegessen habe.


gallo pinto

Das Problem hier ist, dass beide Länder das Gericht als ihre eigene "Erfindung" ansehen und somit als ihr Nationalgericht deklarieren. Der Wettkampf geht sogar soweit, dass man sich in Weltrekorden misst: Im Jahr 2007 aßen in Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, 22 200 Menschen zusammen gallo pinto - und so wurde dieser Tag zum "Gallo Pinto Day" erklärt. Dieses Ereignis ist bis heute in den Guinness World Records verzeichnet und somit ungeschlagen. Daher hat Nicaragua in dieser Hinsicht die Nase vorn, obwohl das Nachbarland zwei Jahre später reagierte und in der Nähe der Hauptstadt San Josés 50 000 Menschen fast 1,5 Tonnen Reis und knapp 1200 kg Bohnen verspeisten. Anscheinend wurde dies aber nicht als offizieller Weltrekord anerkannt, genauere Hintergründe bleiben an dieser Stelle offen.

Die Antwort auf die Eingangsfrage dürfte somit eindeutig beantwortet sein .. es gibt genügend Konfliktpotenzial zwischen den Nachbarn und wenn man weiter sucht, findet man bestimmt noch viele weitere Streitpunkte. Eine Beilegung der Differenzen ist zumindest vorerst nicht in Sicht.

Links:
The Gallo Pinto War Between Nicaragua and Costa Rica
International experts confirm Nicaragua caused irreparable damage to Costa Rican wetlands
Isla Calero
Grenzstreit um San-Juan-Fluss in Den Haag
So löste eine falsche Google-Karte den Grenzstreit aus

3 Kommentare

Kommentar von: Sarah [Besucher]

Das mit den Weltrekorden find ich iwie witzig (stell mir des cool vor, wie so viele Menschen zusammen essen ;) ), auch wenn es natürlich Schwachsinn ist, danach zu entscheiden, wem das Nationalgericht gehört..
Aber wie schlimm ist dieser Konflikt wirklich? Also dass man schlecht übereinander redet, ok, und dann halt diese streitigkeiten, aber kommts da auch manchmal zu Gewalt oder so ?

14-04-08 @ 09:43
Kommentar von: Miri [Besucher]

…und nicht zu vergessen das unterschiedliche Wohlstandsniveau. In Nicaragua wurde mir erzählt, dass noch vor 40 Jahren Nicaragua reicher gewesen wäre als Costa Rica und damals die Ticos nach Nicaragua gezogen sind, um Geld für ihre Familien “daheim” zu verdienen. Heutzutage ist es umgekehrt, tausende Nicas sind (oft illegal) in Costa Rica und verkaufen Kram auf der Straße oder erledigen einfache Arbeiten (einfach im Sinne von: “minderwertig", schlecht bezahlt). Bei vielen Ticos führt das auch zu einer gewissen Hochnäsigkeit den Nicaraguensern gegenüber. Außerdem schimpfen sie über die hohe Kriminalitätsrate der EInwanderer - ich weiss aber nicht, ob diese tatsächlich höher ist als der Durchschnitt. Ein weiteres Puzzleteil des Nica-Ticos-Hasses.

14-04-09 @ 23:05
Kommentar von: Corinna [Besucher]  

ich habe einige Zeit oben im Norden von Costa Rica gewohnt.. und muss sagen, ich hatte auch teilweise das Gefuehl, dass die Leute nicht sehr gut auf ihre Nachbarn zu sprechen sind.. ich vergleiche es gerne mit den Worten “ich glaube, die Nicaraguaner sind etwa das fuer Costa Rica, was die Polen fuer uns/Deutschland sind” …billige (oft illigale) Arbeitskraefte fuer dass, was man nicht selbst machen will.. und “sie klauen"… ob v.a. letzteres stimmt, dass es “immer” die Nicas sind die klauen, mag ich nun auch mal dahingestellt lassen..

14-04-15 @ 19:57


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