Hungerstreik gegen Goldmine und Regenwaldzerstörung

von frank_10  

Bereits seit dem 8. Oktober hungern mehrere Costaricaner vor der Präsidentenresidenz in der Hauptstadt San José. Ihr Anliegen ist die Aufhebung des Dekrets 34.801-MINAET, welches das umstrittene Minenprojekt „Crucitas“ im Norden Costa Ricas zum nationalen Interesse und von öffentlichem Nutzen erklärt.

Nachdem wir von dem Protest gehört hatten, war klar, dass wir vorbei gehen und uns erkundigen mussten, wie wir diese Aktion unterstützen könnten.

"Wir brauchen mehr Öffentlichkeit, damit könnt ihr uns am meisten helfen", bat uns die 25-jährige Astrid, die zufälligerweise im dem selben Stadtteil Coronado lebt, wo meine Arbofilia-Gastgeber ihr Haus haben.

Das gesamte öffentliche Interesse galt in den Anfangstagen des Hungerstreiks den chilenischen Minenarbeitern, die gerade gerettet worden waren - selbst bei bester Planung lassen sich solche Ablenkungen nicht vermeiden.

Einen Blogeintrag 'Hungerstreik gegen Goldmine und Regenwaldzerstörung' konnten wir sofort zusagen - vielleicht kann das Pro REGENWALD-Büro aus Deutschland noch zusätzlichen Druck machen.

Obengenanntes Dekret wurde 2008 vom früheren costaricanischen Präsidenten Oscar Arias erlassen, um sich über die bestehenden Umweltschutzgesetze des Landes hinwegzusetzen, welche die Abholzung von Primärwald verbieten. Dazu hob er im gleichen Jahr auch das Moratorium gegen den Goldtagebau auf, was 2002 erlassen wurde um empfindliche Ökosysteme vor diesen extremen Eingriffen zu schützen.

Diese jüngeren Änderungen waren 'konsequente' Schritte, um den Weg für das umstrittene Goldabbauprojekt zu ebnen: das geplante Tagebaus-Gebiet liegt inmitten des großen Biologischen Korridor El Castillo - San Juan de la Selva zwischen Costa Rica und Nicaragua. Hier leben tausende bedrohte Tier- und Pflanzenarten, darunter der vom Aussterben bedrohte Bechstein-Ara (Ara ambigua). Dessen natürliche Brutstätte ist der Almendro Baum, welcher ebenfalls unter Artenschutz steht, aber durch das präsidiale Dekret hier zum Einschlag freigegeben wurde.

Die neue Präsidentin soll es richten, fordern die Umweltschützer und wenn man rumfragt, die Mehrheit der Costaricaner. Auch die Hungerstreikenden fordern die 2010 neugewählte Präsidentin Laura Chinchilla auf, das Dekret des Vorgängers einfach aufzuheben. Es widerspräche nicht nur den Naturschutzgesetzen des Landes, sondern stehe im Widerspruch zum Image des Landes als beliebtes Ökotourismusziel. Schon jetzt bietet der Tourismus fast zwei Drittel der Menschen eine Einnahmequelle und ist somit auf den Schutz der natürlichen Lebensräume angewiesen.

Das betroffene Schutzgebiet und viele Arten seien durch den Einsatz des hochgiftigen Zyanid und Abholzungen massiv bedroht belegen mehrere Studien der Universität Costa Rica (UCR). Insbesondere die Gefahr von Lecks in den Chemiebecken stellt eine ständige Bedrohung für das Grundwasser und den naheliegen Grenzfluss San Juan dar. In Costa Rica wurde die Goldmine Bellavista 2007 aufgrund der Beschädigung eines Zyanidbeckens durch einen Erdrutsch geschlossen.

Die Betreiberfirma Infinito Gold Ldt. befindet sich zudem wegen mehrerer angeblich unsachgemäß angefertigter Machbarkeitsstudien aktuell im Prozess gegen ihre Konzession von 18.000 Hektar. So sollen Bedrohungen für Natur und Wasser durch die Goldmine nicht ausreichend geprüft und bewilligt worden sein.

Unabhängig davon könnte Präsidentin Chinchilla aber das Dekret aufheben und dem Goldtagebau ein Ende bereiten. Hierzu ließ sie aber verkünden, dass sie erst den Ausgang des Prozesses gegen Infinite Gold Ldt. abwarten wolle. Die Hungerstreikenden wollen deshalb ihren Hungerstreik so lange fortsetzen, bis die Präsidentin handelt oder ihre Gesundheit es nicht mehr zulässt.

Ein Arzt untersucht die Hungernden täglich und lässt das Hungern abbrechen, bevor gesundheitliche Schäden eintreten. Von 12 AktivistInnen, die den Hungerstreik angetreten haben, sind nur noch drei übriggeblieben, die auch am 18. Tag noch ausharren.

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