Fußball - mehr als nur ein Spiel

von 15 kai  


Unser Bolzplatz

Unsere Station liegt in unmittelbarer Nähe des kleinen Dorfes „el Sur“. Im Grunde genommen besteht es aus ein paar Häusern, einer Kirche, einer kleinen Kneipe und einem Fußballplatz, mit dem ich mich in diesem Blogeintrag etwas genauer befassen möchte.

Schon bei der Vorbereitung, als mir mein Projekt vorgestellt wurde, wusste ich, dass ich dort einige Zeit verbringen werde. Was es aber für die Leute hier wirklich bedeutet Fußball zu spielen, war mir dort noch nicht klar. Inzwischen stehe ich jeden Tag auf dem Platz, egal ob es regnet oder die Sonne scheint, denn hier heißt es: „Vamos a jugar al fútbol en la tarde“.

Das bedeutet nichts anderes, als dass man sich langsam gegen 4 Uhr auf den Weg macht, um dann bis zum Einbruch der Dunkelheit Fußball zu spielen. Aber es ist nicht nur das simple Spielen. Von den rund 30 Einwohnern des Dorfes spielen einige Fußball, von Kindern bis hin zu Erwachsenen. Wenn man hier mitten im Regenwald mit den Ticos spielt, dann gibt jeder sein Bestes, es wird gekämpft, gerannt und es werden lautstark Anweisungen über den Platz gerufen.


Hier darf jede/r mitspielen

Das Problem ist, dass mich meine deutsche Überpünktlichkeit schon vor 4 auf den Platz bringt. Da die Costa Ricaner es allerdings nicht so mit festen Zeiten haben, muss man zu allererst auf sich aufmerksam machen. Entweder rufe ich ein paar Namen in Richtung Dorf oder schieße meinen Ball einige Meter in den Himmel.

Doch das sind nicht die einzigen Dinge, die ich lernen musste. Denn auch die Regeln auf dem Platz sind hier anders: So gibt es keinen Eckstoß und der Torwart darf auch nicht seine Hände benutzen. Der Platz, hier auch „la plaza“ genannt, ist mehr als nur eine Wiese mit Toren, auf den man ausschließlich zum Spielen hingeht. Oft kommen auch Leute, die sich einfach nur an den Rand des Feldes setzten, um einem zuzuschauen.

Es gab auch schon Tage, an denen ich dort war und nach 10 Minuten Fußball nur mit den Leuten geredet habe. Es scheint so, als stelle dieser Ort einen zweiten Dorfplatz dar. Das ist sehr gut für mich persönlich, da ich so einerseits meiner Leidenschaft nachgehen kann und andererseits viel Kontakt mit den Leuten habe.

Wenn man nicht Fußball spielt, dann bedeutet das nicht, dass man nicht weniger interessiert an der Sportart ist. Viele Ticos finden Gefallen an den regionalen Fußballteams der Nachbardörfer. Sehr auffällig ist außerdem, dass jede Person ob jung oder alt, den Nationaltorhüter Keylor Navas kennt. Navas spielt bei Real Madrid und ist wohl der bekannteste costaricanische Fußballspieler. Hier wird er wie ein Nationalheld gefeiert: So steht im Sportteil der Zeitung „la nación“ jedes Mal mindestens eine Seite über seine Taten bei Real Madrid.

Insgesamt bin ich sehr glücklich darüber, dass die Menschen hier eine Leidenschaft mit mir teilen und dass ich über diese Sportart mehr über sie kennenlernen kann.

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