La Huelga

von 18 sinan  

Pünktlich zu unserer Ankunft in Costa Rica am 10.09.18 begann in Costa Rica der grosse Streik. Es wird gegen eine geplante Steuerreform gestreikt. Geplant ist eine Steuererhöhung vor Allem auf Grundnahrungsmittel, und weiterhin eine Verringerung der Etats fuer zB. Gesundheit und Bildung um ein Loch im Staatsetat zu stopfen.

Dies würde natürlich vor Allem auf die Kosten der Unter- und Mittelschicht gehen. Die Initiatoren dieses Streiks waren die Gewerkschaft der Lehrer (ANDE) und der Professoren (APSE), schnell solidarisierte sich aber quasi das ganze Land mit ihnen. So sah ich in meiner Zeit in San Jose schon Krankenpfleger, Bauern, Indigene, Taxifahrer im großen Stil streiken und mit ihnen Menschen jedes Berufes, Alters und Hautfarbe.

Der Streik hält bis heute (dem 04.10.18) an und ein Ende ist noch nicht in Sicht und beeinflusst das öffentliche Leben in verschiedenen Bereichen. Unser erster Kontakt zum Streik war kurz nach der Ankunft, wir sollten einen Bus Richtung Arbofilia, dem Projekt zur Aufforstung eines ökologischen Korridors in der Nähe des Carrara Nationalsparks, nehmen. Dieser fiele angeblich auf Grund des Streiks komplett aus, wie sich dann aber herausstellte fuhr der Bus statt einmal die Stunde nur einmal alle 2 Stunden. Somit belastete uns der Streik kaum und nach etwas warten ging's dann weiter.

Unser nächster Kontakt zum Streik war dann der Tag als wir in San José ankamen (19.09.18). Nach dem Abendessen hieß es meine Chefin Marcela würde auf eine Demo gehen und wir könnten mit, falls wir Lust hätten. Hochmotiviert mehr von San José zu sehen und erste Eindrücke davon zu bekommen, was meine Chefin so macht, sind ich und auch alle anderen Freiwilligen mit gegangen.

Doch als wir dann vorm Kongress ankamen, bot sich ein unerwartetes Bild. Anstatt eines "wütenden Mobs", war ein großer Pavillon aufgebaut, der bestuhlt war und an dem Spruchbanner (zb. "Respektiert unsere Menschenrechte in Costa Rica und beendet die Repression gegen unser Volk") hingen. Es tummelten sich etwa 80 bis 100 Leute dort rum und aus einer großen Anlage die auf der Ladefläche eines kleinen LKWs stand, ertönte laute typisch lateinamerikanische Musik, zu dieser tanzten einige Leute Salsa und Merengue.

Janosch, unser Tanzprofi, und Lena hielt es nicht lange von der Tanzfläche fern. Als dann einige Anderen unter anderem ich folgten, gab's Applaus von den Klappstühlen unter dem Pavillon. Dieser wurde noch lauter als Jassin und ich uns entschieden die letzten Tanzmuffel von ihren Stühlen abzuholen und auf die Tanzfläche zu "zerren". Wir tanzenden Gringos waren an diesem Abend definitiv das Highlight der Demo. Ich sag euch die Costa Ricaner wissen wie man streikt/demonstriert!

Diese Demonstration vor dem Kongress findet seit dem 17.09 statt und abgesehen von einem Tag war diese Aktion rund um die Uhr und durchgängig von Menschen besetzt. Das einzige Mal, dass mich der Streik negativ beeinflusste war als mein Bus von Rey Curré nach San José etwa eine Stunde an einer Straßensperrung stand. Solche Straßensperrungen gibt es im ganzen Land.

Der Höhepunkt des Streiks war bisher der "marcha de los Gatos" (Der Marsch der Katzen). Kurz zum Namen: Die Redewendung "solo hay cuatro gatos" wird in Costa Rica benutzt um auszudrücken, dass ein Ort schlecht besucht ist oder nicht viele Menschen an etwas teilnehmen und hat einen abfälligen Beiklang. Eben diese Redewendung nutzte ein costaricanischer Regierungspolitiker um die Teilnehmerzahl für den bevorstehenden Marsch vorher zu sagen.

Dies machten sich die Protestanten zum Motto, so schmückten sich einige Demonstranten mit Katzenohren, aufgemalten Schnurrhaaren oder Katzen T-Shirts. Und ich kann euch sagen der gute Herr, der diesen Spruch losgelassen hat, hat sich so unglaublich geirrt. Je nach Quelle wird von 400.000 bis 1.000.000 "Gatos" auf den Straßen San Josés ausgegangen! Marcela meinte sie tippe auf gute 500.000. Um das in Verhältnis zu setzen: Costa Rica hat etwas unter 5 Millionen Einwohner, das entspräche einem Protest in Deutschland von 8 Millionen Menschen. Könnt ihr euch das vorstellen 8 Millionen Menschen die durch Berlin marschieren und protestieren? Genau dies passiert hier in Costa Rica nämlich gerade. Hier passiert Historisches!

Und das beste an der Sache: Das Ganze passiert friedlich. Meines Wissens nach gab's am Marsch keine gewalttätige Auseinandersetzung und auch sonst ist mir nur von einem Vorfall bekannt, an dem die Polizei ein Universitätsgebäude gestürmt hat. Ich will das jetzt nicht unter den Teppich kehren, aber nach über 3 Wochen Streik ist das meiner Meinung nach im Gesamtzusammenhang eine Kleinigkeit, und wir, wir Deutschen, sollten uns ein Beispiel an der Friedfertigkeit der Costa Ricaner nehmen, denn bei uns geht kaum ein Fußballspiel gewaltfrei über die Bühne, geschweige denn Demonstrationen.

Alle Angaben sind unter Vorbehalt. Mir war es wichtig von dem Streik zu berichten, da man in den deutschen Medien ja gar nichts darüber hört, auch wenn ich der Meinung bin, noch viel zu wenig darüber zu wissen. Also wer Interesse am Thema gefunden hat informiert euch am besten selbst und lasst euch nicht davon entmutigen, dass die Recherche auf deutschen Portalen recht schwierig ist.

BlogNo:02

1 Kommentar

Kommentar von: Michelle [Besucher]

Heyho! Bin auch gerade in Costa Rica ls weltwärts-Freiwillige. Hat jemand Lust sich mal zu treffen oder so und ein bisschen zu quasseln oder was zu unternehmen? Grüßi


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