[Wahl] Auf den letzten Drucker

von 13 josina  


Wahlen stehen an

Sonntag ist es soweit: In Costa Rica stehen die Präsidentschaftswahlen an – doch was bedeutet das genau für mich als Freiwillige hier? Kurz gesagt: eine Menge Arbeit. Warum das denn? Die Frage wird sich der Eine oder Andere sicherlich stellen. Antwort: In den letzten drei Wochen etablierte sich hier in meiner Projektstelle eine Produktionsstätte von heißbegehrten gelben Flaggen und T-Shirts. Jeder will sie haben. Sogar in das 70km entfernte Liberia schicken wir unsere Ware. Und in viele weitere Provinzen Guanacastes.

Doch was war in den letzten Wochen passiert? Wir, das heißt vier Personen, begannen damit, den gelieferten Stoff in drei verschiedenen Größen zurecht zu schneiden, zu bedrucken und zu nähen – anfangs eine überschaubare Menge. Eines Tages kam eine Lieferung von ca. 500 T-Shirts, die bedruckt werden mussten – immerhin musste weder geschnitten noch genäht werden. Das steigerte die Motivation zwar, doch dafür waren pro T-Shirt zwei Druckdurchgänge notwendig: einer hinten, einer vorne. Nach einem Tag waren aber alle fertiggestellt und abholbereit.

Nach und nach kamen immer mal wieder in unregelmäßigen Abständen Stoffrollen á 50m an, die verarbeitet werden wollten. Beim Frühstück wusste selten jemand, wie viel es heute sein werden. Das schränkte etwaige Planungen enorm ein. Aber man gewöhnt sich auch daran.

Höchst wahrscheinlich hatte sich im Vorhinein keiner irgendwelche Gedanken über die benötigte Menge an Flaggen gemacht, denn anders lässt sich das Chaos nicht erklären, welches mit dem näherrückenden Wahltermin einherging. Immer wieder fehlte es irgendwo an Material: sei es Stoff, Tinte zum Bedrucken, Nähgarn oder sonstige Kleinteile.. Von Tag zu Tag kamen mehr Leute, die immer mehr Flaggen verlangten – aber unsere Kapazitäten waren beschränkt. Der Stau bildete sich hauptsächlich vor der Nähmaschine, denn mit einer kommt man nun mal nicht allzu weit. Erst in der letzten Woche bekamen wir Unterstützung durch zwei weitere Maschinen, von denen die eine nicht funktionierte und die andere nach wenigen Einsatzstunden repariert werden musste. Die Nähmaschinen liefen daher oft im Schichtbetrieb von morgens sechs Uhr bis abends um acht – anders war die anfallende Menge nicht zu bewältigen.

Der Höhepunkt sollte aber noch kommen. In der Nacht auf Donnerstag (noch drei Tage bis zu Wahl..) kamen noch einmal 4 Rollen á 50m aus San José an! Der erste Gedanke bei allen: Das schaffen wir nie! Unmöglich!

Doch der Donnerstagmorgen kam – und mit ihm den ganzen Tag über eine Menge Leute, die allesamt fröhlich verkündeten, dass sie als Stoffschneidehelfer gekommen waren. Da war es, das „Mannschaftsgefühl“, der „Teamspirit“ – überall spürbar. Bis in die Abendstunden trafen weitere Helfer ein, die andere ablösten, obwohl sie den ganzen Tag unterwegs gewesen waren. Dadurch war es tatsächlich möglich, dass Donnerstagabend um 19:34 Uhr 200m Stoff in Flaggengröße zurecht geschnitten war. Bedruckt wurde bis 24 Uhr nachts und Freitagnachmittag war auch jede einzelne der Fahnen mit dem Frente Amplio – Schriftzug versehen.

Obwohl es noch einen großen Haufen zu nähen gibt, werden wir diesen auch noch rechtzeitig verarbeitet haben – und somit sind alle ausgerüstet für den Tag, der mit großer Spannung erwartet wird.

1 Kommentar

Kommentar von: Magda [Besucher]

Respekt!! 200 Meter Stoff ist ja echt extrem! Ich würde gern noch wissen, ob ihr mit dem Verkauf Gewinn gemacht habt und wenn ja, was ihr damit macht.

14-02-03 @ 10:05


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