Kategorie: "Reflexion"
Über die Scham Bäuerin zu sein – Ein Denkanstoß
„Die Bäuerin kommt mal wieder nicht mit feiern, weil sie ihren Eltern bei der Arbeit helfen muss“, sagen sie hinter meinem Rücken, während sie an ihrem Superfood-Smoothie mit Chia-Samen aus Peru nuckeln und in ihren Sandalen von Primark zur Uni-Mensa stolzieren. Junge Frauen, in deren Augen die Arbeit auf dem Land minderwertig, verachtenswert und primitiv ist. Etwas für das man sich schämen sollte?
Ein Anfang, der auch ein Ende ist
„Ein Ende das auch ein Anfang ist“ mit diesen Worten wurden wir vor mehr als drei Monaten, nach dreizehn Jahren, von der Schule verabschiedet. Unweigerlich erinnert fühlte ich mich an diese Worte, als wir nach den ersten zwei Wochen im Korridor zu unseren Projekten aufbrachen. Wieder ging etwas zu Ende, was gleichzeitig der Beginn von etwas Neuem war.
Was hier völlig normal ist

1. Man teilt sein Zimmer mit tausend anderen Lebewesen. Im Korridor gibt es keine Wände; alles ist komplett offen: In der Küche traf man ab und zu auf eine Geiselspinne, die sich meist hinter Küchengeräten im Dunkeln versteckte. Bei Regen war der Boden voller Frösche, die neben uns her wohnten. Schlangen kamen gelegentlich auch mal zu Besuch. Und mit den lieben Bienen, die nicht stachen, lebten wir in Symbiose. Im Korridor wurden sogar hohle Baumstämme aufgehängt, damit die Bienchen auch genug Lebensraum hatten. Außerdem schlief man natürlich auch mit vielen anderen Insekten zusammen in einem Bett.
Von Pausen und Bildungswegen
Du hast also 2 Jahre Pause gemacht nach deinem Abitur?
Was für eine Pause? Wovon denn?
Verurteilte Vorurteile
Alex und ich kommen grade von unserem Einkauf aus diesem Monstrum von Supermarkt in Nicoya und befinden uns auf dem Rückweg nach Fedeagua. Wir betreten den Bus, zahlen und finden, wie so oft keinen Sitzplatz. Dann eben stehen. Der Einkauf wiegt schwer auf unseren Schultern, nicht alles hat in die Rucksäcke gepasst.
In meinem Kopf, das Extrem
Frauenfeindlich haben sie gesagt, Machismo, haben sie gesagt. Aber William ist freundlich, er gibt sich Mühe langsam zu sprechen, weil wir nur wenig verstehen. Er macht seine Witze und regt sich künstlich darüber auf, dass wir sie nicht verstehen. Ich mag William.
Meine Motivation
Es war immer mein Bestreben, nach dem Abitur ins Ausland zu gehen, am besten so abgeschieden wie nur irgendwie möglich, natürlich in ein Land des globalen Südens. Abenteuerlustig die Welt von der anderen Seite kennenlernen. Die andere Seite der Idee war auch immer gewesen, sich für dortige Probleme zu sensibilisieren, womöglich dazu beizutragen etwas zum Besseren zu verändern. Und ich wollte nicht länger untätig sein, nicht länger nur über Problematiken reden, ohne das sich dadurch irgendetwas ändert.
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16-10-27 22:25:00, 
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