Alltagsleben

von 21 frederik  

So langsam hat man echt das Gefühl, sich in Costa Rica eingelebt zu haben. Auch wenn es immer noch keinen wirklichen Arbeitsalltag gibt und es diesen, so wie es aussieht, auch nie geben wird, hat man abgesehen davon schon eine Art Routine entwickelt.


Wenn nicht von Brüllaffen, die morgens um 5:00 Uhr denken, ihr Revier markieren zu müssen, dann werden wir um 6:30 Uhr von unseren Handys geweckt. Der von Greta klingelt allerdings immer ein paar Minuten später als meiner, weil sie meint, die paar Minuten zwischen meinem Klingelton, der sie weckt, und ihrem, bei dem sie dann weiß, dass sie auch wirklich aufstehen muss, würde sie immer sehr genießen. Außerdem frühstückt Greta nie und braucht die extra Minuten, in denen ich mir Haferbrei zubereite, deshalb nicht. Haferbrei ist jetzt wirklich nicht mein Frühstück der Wahl, aber er ist preiswert, sättigt und ist schnell zubereitet, wäre nur irgendwie schön, wenn der auch nach irgendwas schmecken würde. Wenn man aber Ananas oder andere Früchte reinmacht, ist es schon mal halb so schlimm.

Im Zeitraum zwischen 7:30 Uhr und 8:15 Uhr schlendert William dann die 100 Meter von seinem Haus zu uns herunter und erklärt uns, was heute ansteht. Die Aufgaben liegen dann in dem Bereich zwischen „heute müssen unbedingt die Klos geputzt werden“ bis zu „ihr fahrt gleich übrigens mit mir zu einem anderen Projekt, um dort bei einem Event mitzukochen und euch mit den Leuten auszutauschen“. Wenn William sich bis 8:15 Uhr noch nicht hat blicken lassen, lässt das meist darauf schließen, dass er in der Stadt ist, um wer weiß was zu erledigen oder sich irgendwo anders herumtreibt. Dann haben wir nicht wirklich was zu tun außer einmal die Küche und die Herberge durchzukehren und treffen uns dann mit unseren Freunden am Strand oder ich mit Tomás zum Basketball spielen.

Wenn es keinen passenden Bus von Fedeagua nach Nicoya gibt, um von dort aus den passenden Anschlussbus nach Sámara oder Nosara zu bekommen, bestellen wir meist einen Uber mit sehr viel Zeitpuffer, weil viele der Fahrer den Auftrag auch mal gerne annehmen, aber ihn bevor sie bei uns ankommen, um uns beide mitzunehmen, auch gerne nochmal abbrechen.

Auch die Slalomfahrt um die riesigen Schlaglöcher auf dem Weg nach Nosara haben wir jetzt schon öfter hinter uns gebracht, auch wenn sie Max, der überwiegend dorthin mitkommt, weil es dort bessere Wellen zum Surfen gibt, immer noch an seine Grenzen bringt und er sich wünscht, doch eher ein bisschen weniger Haferbrei gegessen zu haben. Was das Problem nochmal verschärft, ist, dass Max und ich im Großteil der Busse nicht normal frontal in Richtung Fahrtrichtung sitzen können, weil unsere Oberschenkel einfach zu lang für die costa-ricanischen Busse geworden sind, sondern wir uns schräg zum Gang drehen müssen, um in den Sitz zu passen.

Wenn man dann mit dem Bus auch mal dort angekommen ist, wo man hinwollte, und nicht viel zu früh oder zu spät ausgestiegen ist, muss man meist noch einige Straßen überqueren und dabei den Autos ausweichen, die aber Rücksicht auf einen nehmen. So jedenfalls bisher die Erfahrung. Oft muss man sich, um Bescheid zu wissen, wann man die Straße überqueren kann, dabei an den Autoampeln orientieren, die nicht selten ohne dazugehörige Fußgängerampeln an ihren Pfosten hängen. In San José geben die Ampeln aber sogar noch zusätzlich ein lautes Kreisch-Vogelgezwitscher-Geräusch von sich, wenn es für die Fußgänger Zeit ist, sich in Bewegung zu setzen.

Wenn man sich am Strand ein Refresco (Erfrischungsgetränk) kaufen möchte, ist es nicht selten der Fall, dass man die Flüssigkeit in einer herkömmlichen oben zu geknoteten Plastiktüte in die Hand gedrückt bekommt und sie dann unten aufbeißen muss, um den Saft herauszusaugen.

Aus Sámara, wohin wir meistens wegen der besseren Busverbindung fahren, müssen wir um 18:30 Uhr den Bus zurücknehmen und kommen dann um etwa 19:30 Uhr in Nicoya an. Manchmal fährt uns der viel zu nette Vater von Melissa zu uns nach Hause, was in der entgegengesetzten Richtung von ihrem zu Hause liegt.

Wenn nicht, müssen wir für die zehn Kilometer wieder einen Uber bestellen, was aber bei den Kosten von 1,80 Euro pro Fahrt pro Person verträglich ist. Die Uberfahrer sind auch größtenteils sehr sympathisch und wir unterhalten uns, wenn sie gerade nicht während des Fahrens mit ihren besten Freunden auf WhatsApp schreiben, über viele Sachen.

Zu Hause angekommen kocht die eine Person und die andere wäscht ab. Hin und wieder kommt die ein oder andere Riesenheuschrecken durch die offenen Fensterflächen in der Wand herein geschossen und landet vor unserer Nase bruch. Es ist wirklich faszinierend anzusehen, wie diese 15 Zentimeter langen Insekten, sich dann wieder vom Boden erheben, zwei, dreimal im Kreis in der Küche umherfliegen und dann mit voller Wucht an die nächste Wand klatschen und das ganze Spektakel wieder von vorne beginnt.

Manchmal kommt Oreo, die schwarz-weiße Katze, mit einer Maus oder Eidechse im Maul die Küchentür herein geschlurft und gesellt sich zu uns. Ungefähr alle zwei Wochen wird es mit einem Schlag plötzlich stockdunkel, wenn mal wieder der Strom ausgefallen ist und etwa drei Stunden pro Tag entscheidet sich das WLAN, einfach mal nicht zu funktionieren.

Aber an all das hat man sich irgendwie gewöhnt und regt sich nicht mehr groß darüber auf. Die Stirnlampen liegen in der Küche bereit und auch der Eimer steht in unmittelbarer Reichweite in der Ecke, mit dem wir, wenn die Heuschrecke dann auch beim zwanzigsten Versuch immer noch nicht von alleine wieder den Weg nach Hause findet, ein bisschen nachhelfen.

Wir versuchen abends dann recht schnell ins Bett zu kommen, um am nächsten Tag wieder ausgeschlafen früh aufstehen zu können und beeilen uns mit duschen, umziehen und Zähne putzen. Nachdem Oreo nun schon mehrere Male durch das obere Stockbett auf das untere Stockbett, in dem Greta schläft, gefallen ist, hat sie sich jetzt entschieden in meinem Zimmer zu schlafen und so kommen wir um etwa 22:00 Uhr dann alle zu Ruhe bis am nächsten Tag alles wieder von vorne beginnt.

„Then someone had this wonderful idea. I think that someone was me.“
(Hermann über eine seiner ganz tollen Ideen)

BlogNo:09

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