das Läusethema

von 24 moe  

Die Tage, die wir in Curré verbracht haben, waren sehr heiße Tage mit vielen neuen Eindrücken. Dort habe ich die Koordinatorin von unserem Freiwilligendienst, Jahel, kennengelernt.

In den sechs Tagen haben wir hauptsächlich Frijolillos geerntet, geschält und gegessen. Zwischendrin - und auch oft währenddessen - sind ihre drei Kinder auf uns rumgesprungen. Der älteste und der jüngste Sohn sind 9 und 2 Jahre alt und die mittlere Tochter ist 5 Jahre alt. Alle zuckersüß auf ihre individuelle Art und alle quatschen sie am laufenden Band, was auch ab und zu zu Überforderung führen kann.

Als wir ein Gespräch mithörten zwischen ein paar Frauen wurde ich leicht hellhörig, denn ich hörte das Stichwort "piojos" (dt.: Läuse) und daraufhin wurden wir gefragt, wie man Läuse in Deutschland behandelt. Im Laufe des Gesprächs kam raus, dass im Kindergarten seit einiger Zeit ein Läuseproblem herrscht. Das hat uns Freiwillige erst einmal in ungläubiges Staunen versetzt und wir waren leicht entrüstet, dass uns nicht vorher Bescheid gegeben wurde - wie es in Deutschland unserer Erfahrung nach Brauch ist. Denn mit einer Vorwarnung hätten wir die Chance gehabt einen gewissen Abstand zu wahren, anstelle von der nicht vorhandenen Distanz, die meist beim Toben, Film schauen und Spielen mit den Kindern bestand und müssten nicht bangen, unsere Gastfamilien, zu denen wir zurückkehren, mit den etwaigen Tieren auf unserem Kopf zu belasten und das Läuseproblem verschleppen.

Aber abgesehen davon, dass wir uns jetzt aufs Gründlichste auf Läuse untersuchen und Mittel dagegen nehmen, ist es natürlich extrem frustrierend für alle Beteiligten in Curré, die alltäglich mit Läusen konfrontiert werden und die sich mit diesem lästigen Thema quasi dauerhaft rumschlagen müssen.

Im Nachhinein ist mir eingefallen, dass ich den ältesten Sohn am ersten Abend kurz mal gefragt habe, warum er jetzt kurze Haare hat; im Vergleich zu einem Foto, auf dem er schulterlanges Haar trug. Da hatte er gesagt, dass, seit seine Schwester im Kindergarten ist, seine Haare kurz sein müssen wegen einem Läuseproblem. In meiner Welt, die hauptsächlich im Industriestaat Deutschland geprägt wurde, der von Privilegien nur so wimmelt, habe ich mir direkt dazugedichtet, dass es sich um ein Problem der Vergangenheit handle und sicherlich schon längst wieder beseitigt wurde, wofür das Läusethema keine Relevanz habe für meinen aktuellen Alltag. Tja, hätte ich doch mal direkt mehr nachgebohrt...

Leicht zerknirscht wunderte sich Jahel, dass wir das nicht schon vorher wussten, als wir fragten wie genau die Läuselage vor Ort ist.
Jahel und Dunia meinten, dass es hilft die Haare mit Waschmittel zu waschen - einmal am Abend und dann nochmal am Morgen. Außerdem bekommen die Mädchen, die lange Haare haben meistens so enge Zöpfe wie möglich - eine weitere Strategie um zu verhindern versuchen, dass sich die Läuse auf neuen Köpfen ansiedeln. Jahel erzählte uns außerdem, dass es einige Familien im Dorf gibt, die keine Kapazitäten haben sich diesem Thema zu widmen, wodurch das Läuseproblem ein Dauerthema im gesamten Dorf ist, weil sich immer wieder gegenseitig angesteckt wird. Ich solle in meinem Dorf auch nachfragen, wie die Läusesituation ausschaut, da es an einigen Orten ihrer Kenntnis nach so sei. Meine Gastmutter erzählte mir, dass es hier ähnlich ist und in meiner Gastfamilie zurzeit bloß keine Kinder im Grundschulalter sind, wodurch meine Gastfamilie dem Problem relativ gut aus dem Weg gehen kann. Anscheinend hat der Schuldirektor vor einiger Zeit das Gesundheitsministerium kontaktiert, welche ÄrztInnen ins Dorf schickten, um Aufklärung zu betreiben und Läuseshampoo und Antiläuse-Pillen zu vergeben. Daraufhin gaben die Läuse eine Weile lang Ruhe, jedoch sind sie mittlerweile wahrscheinlich wieder zurückgekehrt, so die Vermutung meiner Gastfamilie.

Ich habe mir nach Curré auch Antiläuse-Pillen beschafft, die in Deutschland zwar nicht zugelassen sind, aber ich hatte keine Lust auf die Läuseshampoo-Action. Außerdem ölte ich meinen Kopf 24h mit einer kokosölbasierten Teebaumöl-Mischung ein, die mir Jahel geschenkt hat und drauf schwört. Ich bin meines Wissens nach nun läusefrei (- vielleicht hatte ich mich auch gar nicht erst „angesteckt“, aber ich wollte kein unnötiges Risiko eingehen, um Rücksicht auf meine Gastfamilie zu nehmen und zumal ich mir den psychischen Stress, nicht ganz sicher zu sein, so gut es geht ersparen wollte). Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wuseln sie noch heute.

BlogNo:02

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