Hautnahes Schweineschlacht-Erlebnis geht unter die Haut

von 24 moe  


Das ahnungslose Schwein wenige Momente vor seinem Tod

In der Semana Santa (Ostern) habe ich zum ersten Mal miterleben dürfen, wie ein Schwein geschlachtet wird. Da ich gelegentlich Fleisch esse, hielt ich es für notwendig, es auch auszuhalten, bei einer Schlachtung dabei zu sein. Letztendlich war es jedoch wirklich schwer zu ertragen – deutlich schlimmer und belastender, als ich es mir vorgestellt hatte.


Während des gesamten Schlachtungsprozesses musste ich automatisch eine physische Barriere mit meinen Armen vor meinem Körper aufbauen, als eine Art Selbstschutz. Es war mir auch unmöglich, dem Schwein in die Augen zu schauen – geschweige denn, es zu streicheln, mit dem Wissen, dass sein Leben nur noch wenige Minuten dauern würde - es selber jedoch nicht keinen blassen Schimmer hatte, welche Gräueltat ihr in wenigen Augenblicken bevorsteht.



Blutig und mit ausgestreckter Zunge wird das Schwein zum Ausnehmen transportiert

Das 140 kg schwere Schwein brauchte sieben Männer die es aufgehangen haben

Entfernung der Innereien

Das Schweinefleisch zerschneiden dauert seine Zeit



Die allgemeine Stimmung war sehr Adrenalin-geladen, mit einer Prise Aufregung – so, als würde man gleich etwas Verbotenes tun. Der Tötungsprozess selbst war eine sehr blutige, herzzerreißende, laut quiekende und mehrere Minuten andauernde Szene. Ein Freund von mir sollte es mit der Rückseite einer schweren Axt auf den Kopf schlagen, sodass es bewusstlos wird, während es, mit Essen abgelenkt, den Kopf gesenkt hielt, jedoch war der Schlag nicht fest genug, sodass stattdessen die Panik ausbrach und dem Schwein dämmerte, dass nicht alles koscher war, was hier gerade ablief.


Ab diesem Moment wurde es chaotisch: das Schwein versuchte die ca. 6 mit in dem wenige Quadratmeter großen Stall mit eingepferchten Männer zu beißen unter lautstarkem Quieken und die Männer versuchten unter ebenfalls lautstarkem Gebrüll das Schwein gepackt zu kriegen, sodass mein Freund erneut zuschlagen konnte mit einem weiteren Axthieb.


In meiner Vorstellung hat dieser Prozess sich viel leiser und reibungsloser abgespielt, aber als ich fragte, ob das immer ungefähr so abläuft oder ob es dieses Mal ziemlich schiefgelaufen ist, antwortete man mir, dass das normal ist, dass das Schwein so viel schreit. Bewusstlos war das Schwein meiner Meinung nach immer noch nicht und trotzdem wurde ihm jetzt das Messer in Brustmitte reingerammt und ordentlich drin rumgestochert um das Herz zu erwischen. Das Blut floss, das Schweinegeschrei war unerträglich und ich wechselte zwischen Ohren zuhalten und mich selber so fest es geht zu umarmen, um zu versuchen mein Nervensystem zu beruhigen. Plötzlich kehrte Ruhe ein. Die Zunge hing baumelnd aus dem toten Schweinemaul, was auch ausschließlich Comic-Lesenden, den Lebenszustand des Schweines, verdeutlichen sollte.


Ab diesem Moment wurde das Schwein für mich mit jedem Verarbeitungsschritt zunehmend zu Fleisch – und immer weniger zu einem Lebewesen.


Inzwischen kochte das Wasser an der spontan organisierten Feuerstelle auf der auf zwei Steinen ein riesen Topf mit etlichen Litern Wasser brodelte. Dorthin wurde das Schwein gekarrt, nachdem das 140 kg schwere Tier unter ächzen und mehreren Versuchen in die Schubkarre gehievt wurde. Dafür war noch ein Trick nötig um es besser greifen zu können, und zwar: Schlitze in die Ohren zu schneiden, sodass die Ohren Henkel wurden.

    Die Verarbeitungsschritte waren:
  • Nach und nach gekochtes Wasser über das Schwein kippen, um die obere Haut mit Haaren komplett abschaben zu können.

  • Aufhängen an den Hinterhaxen

  • Kopf abschneiden

  • Vorderhaxen abhacken

  • Mit Zitrone und Salz einreiben dann mit Wasser übergießen um es zu säubern

  • Hintere Haxen einmal rundrum einritzen

  • Von Innenseite von Hinterhaxen bis Vorderhaxen zwei gerade Linien runterritzen

  • Zitzen abschneiden

  • Zwei Linien runter

  • Hinten auch Linien bis ganz runter ritzen

  • Hautstreifen abschneiden für chicharrones

  • Gedärme entfernen

  • Fleisch klein schneiden und in Tüten packen zum Gefrieren


, jedoch schätzte ich das frisch frittierte Fleisch beim Essen weitaus mehr als sonst – eine Haltung, die ich mir für die Zukunft bewahren möchte, um nicht die evidente Verbindung zwischen Fleisch und Lebewesen weder in Vergessenheit noch in den Hintergrund geraten zu lassen.


Meiner Meinung nach muss jede fleischessende Person eine Tierschlachtung jeder Tierart, das man isst, mindestens miterlebt haben (eigentlich ja sogar selber durchgeführt haben) und regelmäßig reflektieren, ob einem nicht doch der Konsum, dieses ressourcenintensivem Nahrungsmittels zu krass ist im Sinne der Umwelt und des Tierwohls, also wenigstens die Masse und die Qualität des eigenen Fleischkonsums fortlaufend anzupassen an persönliche Moralvorstellungen und dem Gewissen.

BlogNo:04

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